Freies Training 2 in Austin: Aston Martin vor Alpine, Ferrari verliert den Anschluss an die Spitze

2025 FIA World Endurance Championship Lone Star Le Mans Austin, USA September 4th-7th 2025 Photo: Drew Gibson
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Henri Dubois · Endurance-Korrespondent

Am Freitagnachmittag in Austin zeigte sich, wie schnell sich das Bild von einer Session zur nächsten verschieben kann, wenn Gummiabrieb und Fahrbahntemperatur sich ändern.

Im zweiten freien Training zum Lone Star Le Mans, dem fünften Lauf der WEC-Saison 2026 auf dem Circuit of the Americas, setzten Harry Tincknell und Tom Gamble im Aston Martin Valkyrie des THOR Team mit 1:52.567 Minuten die schnellste Rundenzeit des Tages. Damit lösten sie im Hypercar-Feld Ferrari AF Corse ab, das erste Training am Vormittag noch mit einem Doppelsieg dominiert hatte. In der LMGT3-Klasse übernahm das Heart of Racing Team an seinem gewissermassen heimischen Kurs die Führung, während sich das Feld insgesamt spürbar zusammenzog.

Aston Martin übernimmt die Spitze im Hypercar-Feld

Nach der Bestzeit von Tincknell und Gamble reihte sich mit gerade einmal 0,122 Sekunden Rückstand der Alpine A424 von António Félix da Costa, Charles Milesi und Ferdinand Habsburg ein. Dahinter folgte der Genesis GMR-001 von Mathys Jaubert, Pipo Derani und André Lotterer, ehe mit dem zweiten Alpine-Auto von Frédéric Makowiecki, Jules Gounon und Victor Martins bereits der vierte Wagen innerhalb von drei Zehnteln lag. Alpine platzierte damit beide Fahrzeuge in den vorderen vier, was für die Meisterschaft als Marke durchaus Gewicht hat, auch wenn ein Freitagstraining naturgemäss wenig über Renntrimm und Kraftstoffmengen verrät.

Auffälliger war der Rückfall von Ferrari. Nachdem die Scuderia AF Corse das erste Training mit beiden Werksautos angeführt hatte, reichte es im zweiten Umlauf nur noch zu den Positionen sechs und sieben, mit Rückständen von 0,454 und 0,490 Sekunden auf die Spitze. Ob dahinter ein bewusst konservativeres Programm mit höherer Zuladung steckte oder schlicht das Geläuf sich zugunsten anderer Fahrzeugkonzepte verschob, lässt sich aus einer einzelnen Trainingssession nicht ableiten. Fest steht, dass Toyota als amtierender Tabellenführer der Herstellerwertung mit 132 Punkten vor BMW mit 127 und Ferrari mit 88 Zählern in dieses Wochenende ging, und ein Freitag ohne Bestzeit für die Scuderia dürfte in Maranello genau beobachtet, aber kaum überbewertet werden.

BMW im Gleichschritt, Toyota zurückhaltend

Bemerkenswert eng ging es bei BMW zu: Die beiden M Team WRT-Fahrzeuge, einmal besetzt mit Kevin Magnussen, Raffaele Marciello und Dries Vanthoor, einmal mit Sheldon van der Linde, René Rast und Robin Frijns, trennten am Ende nur neun Tausendstelsekunden. Für die Herstellerwertung, in der es seit der Reglementsänderung 2026 einzig um die Marke und nicht mehr um einzelne Teams geht, ist ein derart ausgeglichenes Duo ein gutes Zeichen, zumal BMW mit 127 Punkten dem Spitzenreiter Toyota dicht auf den Fersen ist.

Cadillac reiste mit besonderem Interesse zum heimischen Kurs. Im Wagen von Hertz Team Jota sass mit Ricky Taylor für dieses Wochenende ein zusätzlicher Fahrer neben Norman Nato und Will Stevens, während Sébastien Bourdais, Earl Bamber und Jack Aitken im Schwesterauto Elfter wurden. Toyota selbst, aktuell Erster in der Herstellerwertung, hielt sich mit den Plätzen zwölf und fünfzehn auffällig zurück, was für ein Team mit der Erfahrung von Buemi, Hartley und Hirakawa eher nach einem zurückhaltenden Testprogramm als nach echter Schwäche aussieht.

Heart of Racing an der Spitze der LMGT3-Klasse

2026 FIA World Endurance Championship
2026 FIA World Endurance Championship Round 1 Imola, Italy April 15th – 18th 2026 Photo: Javier Jimenez / Drew Gibson Photography

In der LMGT3-Klasse drehte sich die Reihenfolge gegenüber dem Vormittag deutlich. Mattia Drudi, Zacharie Robichon und Ian James brachten den Aston Martin Vantage GT3 Evo des Heart of Racing Team auf 2:05.609 Minuten und damit an die Spitze eines Kurses, an dem das Team nach eigenem Bekunden so etwas wie ein Heimrennen bestreitet. Dahinter folgten mit rund vier Zehnteln Rückstand zwei Mercedes-AMG von Iron Lynx, zunächst der Wagen von Martin Berry, Rui Andrade und Maxime Martin, knapp gefolgt vom Trio Johannes Zelger, Matteo Cressoni und Lin Hodenius.

Der McLaren von Garage 59, der das erste Training am Vormittag mit Marvin Kirchhöfer, Tom Fleming und Antares Au noch angeführt hatte, fiel im zweiten Durchgang auf Platz 22 zurück, während das Schwesterauto mit Benjamin Goethe, Finn Gehrsitz und Alexander West als bestes Garage-59-Fahrzeug Rang 21 belegte. Wie schon in der Hypercar-Klasse zeigt sich hier, wie wenig ein einzelnes Freitagstraining über den tatsächlichen Rennverlauf aussagt. Erst im dritten freien Training am Samstagvormittag und in der anschliessenden Qualifikation mit Hyperpole wird sich andeuten, welche Teams tatsächlich auf die sechs Stunden am Sonntag vorbereitet sind, und ob die Balance zwischen Aston Martin, Alpine und Ferrari an der Spitze des Hypercar-Feldes über die volle Renndistanz Bestand hat.