Marco Rossi · F1-Korrespondent
Ein Rennen trägt den Namen eines Landes, in dem es gar nicht stattfindet, und zeigt damit, wie fragil Kalenderplanung in einer Welt voller Krisen geworden ist.
Die Formel 1 verlegt den Bahrain-Grand-Prix 2026 wegen des Kriegs im Nahen Osten vom Königreich Bahrain auf den Sepang International Circuit in Malaysia. Statt wie ursprünglich geplant am 12. April als vierter Saisonlauf eine Woche vor dem Grand Prix von Saudi-Arabien stattzufinden, wird das Rennen nun vom 2. bis 4. Oktober 2026 als 16. Lauf der Weltmeisterschaft ausgetragen, zwischen den Grands Prix von Aserbaidschan und Singapur. Offiziell firmiert es unter dem sperrigen, aber vielsagenden Namen Formula 1 Gulf Air Bahrain Grand Prix in Malaysia 2026.
Ein Rennen ohne festen Boden
Die ursprüngliche Terminierung folgte der gewohnten Logik der Golf-Doppelrunde: Bahrain als Auftakt der Nahost-Etappe, Saudi-Arabien eine Woche später. Der Krieg in der Region hat diese Planung über den Haufen geworfen, der Grand Prix in Sakhir liess sich unter den gegebenen Umständen nicht wie vorgesehen durchführen.
Statt das Rennen ersatzlos zu streichen, haben Formel 1 und FIA nach eigenen Angaben einen Ausweg gesucht und gefunden: eine Verlegung auf neutralen Boden, zeitlich weit nach hinten verschoben in den Oktober. Dass ein Grand Prix seinen Namen behält, aber an einem anderen Ort als dem im Titel genannten Land stattfindet, ist für die Serie ein ungewöhnlicher Schritt, der zeigt, unter welchem Druck diese Lösung zustande gekommen sein dürfte.
Ein neuer Platz im Rennkalender
Mit dem Umzug in den Oktober rückt das Rennen mitten in die entscheidende Phase der Saison. Als 16. Lauf liegt es zwischen den Grands Prix von Aserbaidschan und Singapur, zwei Strecken mit völlig unterschiedlichem Charakter, was logistisch wie sportlich eine zusätzliche Herausforderung für die Rennställe bedeutet.
Für den Titelkampf dürfte die neue Platzierung im Kalender durchaus Gewicht haben. Ein Rennen, das ursprünglich früh in der Saison für erste Standortbestimmungen sorgen sollte, findet nun in einer Phase statt, in der sich die Formkurven der Teams bereits deutlicher abzeichnen und der Druck im Meisterschaftskampf spürbar steigt.
Sepang, ein vertrauter Name kehrt zurück

Der Sepang International Circuit ist der Formel 1 kein unbekannter Austragungsort, die Strecke war in der Vergangenheit bereits Schauplatz von Grands Prix. Nach einer längeren Pause erhält sie nun erneut einen Platz im Kalender, wenn auch unter denkbar ungewöhnlichen Vorzeichen: als Ersatzaustragungsort für ein Rennen, das eigentlich den Namen eines anderen Landes trägt.
Ob diese Konstellation über 2026 hinaus Bestand hat, lässt sich derzeit nicht seriös beurteilen. Sollte sich die Lage im Nahen Osten entspannen, könnte Bahrain seinen angestammten Platz im Kalender irgendwann zurückerhalten, eine gesicherte Aussage darüber lässt sich aus den derzeit vorliegenden Informationen aber nicht treffen. Für den Moment bleibt festzuhalten: Die Formel 1 hat gezeigt, dass sie auch unter schwierigen geopolitischen Bedingungen einen Weg findet, ihren Kalender zusammenzuhalten, auch wenn das Ergebnis auf den ersten Blick paradox wirkt.





