Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent
Eine der erfolgreichsten Partnerschaften der IndyCar-Serie geht in die Verlängerung, und das ausgerechnet vor dem grössten technischen Umbruch seit Jahren.
Team Penske und Chevrolet haben ihre mehrjährige Partnerschaft in der IndyCar-Serie verlängert, wie beide Seiten am 8. Oktober mitteilten. Der neue Vertrag sichert die Zusammenarbeit über den Start der neuen IndyCar-Ära 2028 hinaus ab, wenn ein komplett neues Chassis und eine neue Motorenformel mit weiterentwickeltem Hybridsystem die Serie verändern werden. Für ein Team, das 2026 gleich mehrfach mit Chevrolet-Power vorne stand, ist das eine Entscheidung mit klarer Ansage: weiter auf das bewährte Paket setzen, statt bei einem Technologiesprung dieser Grössenordnung das Risiko eines Herstellerwechsels einzugehen.
Warum die Verlängerung jetzt kommt
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Mit dem neuen Chassis und der neuen 2,4-Liter-Twin-Turbo-V6-Hybrid-Formel ab 2028 steht der gesamten IndyCar-Serie ein Umbruch bevor, wie ihn die Fahrzeugtechnik seit Langem nicht gesehen hat. Gerade in so einer Übergangsphase zählt für ein Spitzenteam vor allem eines: ein Partner, mit dem die Kommunikationswege kurz sind und das technische Verständnis bereits über Jahre gewachsen ist.
Team Penske steht in der amerikanischen Motorsport-Landschaft seit Jahrzehnten für genau diese Art von langfristig angelegter Zusammenarbeit zwischen Team und Hersteller. Die Organisation, gegründet 1966 von Roger Penske, hat sich über die Jahrzehnte in mehreren Serien einen Ruf für professionelle, kontinuierliche Partnerschaften erarbeitet. Seit Chevrolet 1986 als Werkspartner einstieg, holte die Kombination 125 Siege und 157 Pole-Positions, darunter neun Siege beim Indy 500. Dass Chevrolet nun über den grossen Technologiewechsel 2028 hinaus an Bord bleibt, passt in dieses Muster. „Chevrolet war für unser IndyCar-Team ein hervorragender Partner, auf und neben der Strecke“, sagte Roger Penske laut IndyCar. Penske war zudem die dritte Chevrolet-Verlängerung innerhalb von drei Tagen: Am 6. Oktober hatte Arrow McLaren verlängert, am 7. Oktober Ed Carpenter Racing. Chevrolet bindet damit vor der neuen Ära gleich mehrere Teams langfristig.
2026 als Beleg: Die Kombination funktioniert
Wer wissen will, warum beide Seiten weitermachen, muss nur auf die vergangene Saison schauen. Team Penske holte mit Chevrolet-Power die Pole-Position beim Saisonauftakt in St. Petersburg und fuhr Siege auf dem Phoenix Raceway, dem World Wide Technology Raceway sowie beim Saisonfinale auf dem WeatherTech Raceway Laguna Seca ein, wo Scott McLaughlin von der Pole aus gewann.
Drei Siege verteilt über die Saison, dazu die schnellste Zeit zum Auftakt in St. Petersburg, das ist genau die Vielseitigkeit, die IndyCar von einem Topteam verlangt. Oval-Pace in Phoenix und beim World Wide Technology Raceway, dazu die Roadcourse-Qualitäten in Laguna Seca am Saisonende: Wer in diesen unterschiedlichen Disziplinen vorne mitfährt, hat ein Gesamtpaket aus Chassis-Abstimmung und Motor, das offenbar wenig Schwächen zeigt.
Was 2028 für das Team bedeutet
Mit dem neuen Chassis, dem neuen 2,4-Liter-V6 und einem weiterentwickelten Hybridsystem, das 2028 erstmals einen Batteriespeicher bekommt, kommt auf alle Hersteller und Teams eine Lernkurve zu, die sich nicht einfach aus bestehenden Daten hochrechnen lässt. Neue Antriebsstränge bedeuten neue Fragen bei Gewichtsverteilung, Kühlung und Energie-Management, Bereiche, in denen gerade die Abstimmung zwischen Werksingenieuren und Teamtechnikern über Monate entscheidend sein dürfte.
Dass sich Team Penske und Chevrolet schon jetzt, rund anderthalb Jahre vor der Einführung, auf eine Fortsetzung verständigt haben, dürfte vor allem der Entwicklungsarbeit zugutekommen. Wenn die neue Ära 2028 an den Start geht, wird sich zeigen, ob die über Jahre gewachsene Partnerschaft tatsächlich den Vorsprung bringt, auf den beide Seiten mit dieser Verlängerung offenkundig setzen.





