Verstappens Singapur-Sieg: Ein Start-Ziel-Triumph gegen stumme Funkgeräte und stotternde Batterien

Race winner Max Verstappen of the Netherlands and Oracle Red Bull Racing and Gianpiero Lambiase, Head of Racing of Oracle Red Bull Racing celebrate on the podium during the F1 Grand Prix of Singapore at Marina Bay Street Circuit on October 11, 2026 in Singapore, Singapore. (Photo by Mark Thompson/Getty Images)
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Marco Rossi · F1-Korrespondent

Beim Grossen Preis von Singapur 2026 holte Max Verstappen seinen ersten Sieg auf dem Stadtkurs von Marina Bay, doch hinter der makellosen Fahrt verbarg sich ein Wochenende voller technischer Tücken.

Max Verstappen gewann am vergangenen Wochenende in seinem 250. Grand Prix den Grossen Preis von Singapur von der Pole aus, nachdem er bereits den Sprint für sich entschieden hatte. Es war im zehnten Anlauf sein erster Sieg überhaupt auf dem Marina Bay Street Circuit. Dass der Niederländer am Ende souverän über die Ziellinie fuhr, täuscht darüber hinweg, wie viel während des Rennens im Hintergrund schiefging: Ein Funkausfall zwang ihn und seinen Renningenieur zu improvisierter Verständigung, und Probleme mit der Energieabgabe des Antriebs kosteten ihn in den ersten Runden wertvolle Zehntel.

Ein binärer Code als Notlösung

Während des Hauptrennens funktionierte die Funkverbindung in Verstappens Cockpit nur in eine Richtung. Er konnte die Anweisungen seines Renningenieurs Gianpiero Lambiase klar und deutlich hören, doch seine eigenen Antworten kamen an der Red-Bull-Boxenmauer nur als verzerrtes Rauschen an. Für ein Team, das in Echtzeit auf Reifenverschleiss, Safety-Car-Phasen und Undercut-Fenster reagieren muss, ist eine funktionierende Zweiwegkommunikation eigentlich unverzichtbar.

Lambiase löste das Problem mit einer improvisierten Methode, die eher an ein Signalsystem aus der Frühzeit des Rennsports erinnert als an die Datenflut der aktuellen Formel 1. Gegen Ende des Rennens legte er für den Fall eines Safety Cars fest: Wolle Verstappen dann noch einmal an die Box, solle er einfach schweigen, wolle er die Position auf der Strecke halten, solle er die Funktaste drücken. Ein simples Ja-Nein-System aus der Not heraus. Verstappen glaubte hinterher, sein Ingenieur habe gut verstanden, was er wollte und was nicht.

Nach dem Rennen nahm Verstappen die Situation mit der für ihn typischen Trockenheit: Vielleicht sei GP ja froh gewesen, ihn einmal nicht hören zu müssen, scherzte er. Hinter dem Humor steckt allerdings ein ernsterer Punkt: Ein Ausfall der Funkverbindung in einem Rennen, das taktisch von Boxenstopp-Fenstern und Reifenstrategie lebt, hätte unter anderen Umständen auch teuer werden können.

Stotternder Antrieb in den ersten Runden

Max Verstappen of the Netherlands driving the (3) Oracle Red Bull Racing RB22 Red Bull Ford Powertrains leads Charles Leclerc of Monaco driving the (16) Scuderia Ferrari SF-26 Lewis Hamilton of Great Britain driving the (44) Scuderia Ferrari SF-26 and the rest of the field at the start during the F1 Grand Prix of Singapore at Marina Bay Street Circuit on October 11, 2026 in Singapore, Singapore. (Photo by Sam Bloxham/LAT Images)
Max Verstappen of the Netherlands driving the (3) Oracle Red Bull Racing RB22 Red Bull Ford Powertrains leads Charles Leclerc of Monaco driving the (16) Scuderia Ferrari SF-26 Lewis Hamilton of Great Britain driving the (44) Scuderia Ferrari SF-26 and the rest of the field at the start during the F1 Grand Prix of Singapore at Marina Bay Street Circuit on October 11, 2026 in Singapore, Singapore. (Photo by Sam Bloxham/LAT Images)

Auch auf der Antriebsseite lief der Wagen nicht von Beginn an sauber. Schon beim Start bemerkte Verstappen eine unregelmässige Motorleistung, noch bevor er die Kupplung vollständig gelöst hatte, ein Detail, das bei einem Start-Ziel-Sieg leicht übersehen wird, aber zeigt, wie knapp die Marge zwischen einer perfekten Ausführung und einem verlorenen Start auch für den Favoriten bleibt.

Kritischer wurde es in den ersten Runden nach dem Start, als Probleme bei der Energieabgabe der Hybrideinheit auftraten. Verstappen verlor dadurch auf den Geraden spürbar an Tempo, was Charles Leclerc im Ferrari die Gelegenheit verschaffte, in Kurve 7 kurzzeitig zum Überholen anzusetzen. Sobald das Deployment-Problem behoben war, lief der Wagen laut Verstappen wieder einwandfrei. Für einen Sieger liest sich das im Nachhinein wie eine Fussnote, im Moment selbst dürfte es an der Red-Bull-Box für angespannte Gesichter gesorgt haben.

Ein Wochenende als Symptom einer komplexen Saison

Die Probleme von Singapur standen nicht isoliert da. Am Freitag hatte ein menschlicher Fehler der Rennleitung dafür gesorgt, dass der sogenannte Overtake Mode für Teile des Feldes im Sprint-Qualifying zeitweise blockiert war. Bereits eine Woche zuvor, beim nach Sepang verlegten Grand Prix von Bahrain, hatten Software-Fehler bei feuchter Strecke auf der Einführungsrunde zu Systemsperren bei mehreren Fahrzeugen geführt. Zwei Rennen, zwei unterschiedliche Vorfälle, aber ein gemeinsamer Nenner: die technische Komplexität der seit dieser Saison geltenden Fahrzeuggeneration mit ihrer 50/50-Verteilung zwischen Elektro- und Verbrennungsmotor.

Verstappen selbst hatte schon nach dem Chaos von Sepang gefordert, dass der Sport daraus eine Lehre ziehen müsse. Sinke das Tempo aus irgendeinem Grund zu tief, säufe das Auto einfach ab, beschrieb er damals das Verhalten der Software. In Singapur räumte er zudem ein, dass ihm der Funk schon die ganze Saison Probleme bereite, an diesem Wochenende aber besonders.

Für Red Bull bleibt unter dem Strich trotzdem ein wichtiger Befreiungsschlag: Verstappens erster Sieg auf einer Strecke, auf der er zuvor neunmal leer ausgegangen war, erzielt im 250. Grand Prix seiner Karriere und unter Bedingungen, die alles andere als ideal waren. Ob sich die Software-Probleme der neuen Generation in den kommenden Rennen weiter häufen oder ob Singapur und Sepang Ausreisser bleiben, dürfte für den weiteren Titelkampf mindestens so entscheidend werden wie reine Pace auf der Strecke.