Briscoe gewinnt in Charlotte: Engster Zieleinlauf der Saison gegen Teamkollegen Bell

CONCORD, NORTH CAROLINA - OCTOBER 11: Chase Briscoe, driver of the #19 Freebird Spring Water Toyota, crosses the finish line ahead of Christopher Bell, driver of the #20 DeWalt Toyota, to win the NASCAR Cup Series Bank of America 400 at Charlotte Motor Speedway on October 11, 2026 in Concord, North Carolina. (Photo by Jared C. Tilton/Getty Images)
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Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent

Mit nur 0,029 Sekunden Vorsprung setzte sich Chase Briscoe im Bank of America 400 gegen seinen eigenen Teamkollegen durch, während ein schwerer Unfall drei Fahrer aus dem Rennen nahm und vor allem die Titelchancen von Bubba Wallace und William Byron im Chase schwer traf.

Chase Briscoe hat das Bank of America 400 der NASCAR Cup Series am Sonntag auf dem 1,5-Meilen-Oval des Charlotte Motor Speedway gewonnen und sich damit seinen dritten Saisonsieg gesichert, den zweiten in Folge nach Las Vegas. Im Ziel trennten ihn von seinem Joe-Gibbs-Racing-Teamkollegen Christopher Bell gerade einmal 0,029 Sekunden, der knappste Zieleinlauf der laufenden Saison. Über 267 Runden und 400,5 Meilen entschied sich das Rennen erst auf der allerletzten Runde, nachdem zuvor ein schwerer Unfall das Feld durcheinandergewirbelt und gleich drei Fahrer frühzeitig aus dem Rennen genommen hatte, darunter mit Wallace und Byron zwei Titelkandidaten aus dem Chase-Feld.

Tür an Tür bis zur Ziellinie

Nachdem Christopher Bell in Runde 107 an Kyle Larson vorbeigezogen war und Stage 2 für sich entschied, übernahm Chase Briscoe im Schlussabschnitt mit einer starken Strategie an der Pit-Road und sauberer Pace die Führung. Larson, der mit insgesamt 97 geführten Runden die meiste Zeit an der Spitze verbrachte, fiel im Schlussabschnitt aus den Top 5 zurück. Briscoe führte zehn Runden vor Schluss mit mehr als zwei Sekunden, ehe Bell den Rückstand bis zur letzten Runde zufuhr.

Auf der letzten Runde setzte Bell zur Attacke an. Die beiden Teamkollegen fuhren Rad an Rad auf die Start-Ziel-Gerade zu, es kam zur Berührung im Endspurt, doch Briscoe behielt die Nase vorn. Für Bell blieb trotz der knappen Niederlage ein zweiter Platz mit wichtigen Punkten für den Titelkampf im Chase.

Startaufstellung ohne Qualifying, dann der grosse Knall

Weil Training und Qualifying am Samstag wegen Regens ausfielen, wurde die Startaufstellung nach der Formel des Regelwerks aus Punkten und bisherigen Ergebnissen ermittelt. Tabellenführer Kyle Larson ging von der Pole-Position ins Rennen, neben ihm in Reihe eins stand Vorwochensieger Chase Briscoe. Larson nutzte den Vorteil sofort, übernahm früh die Führung und sicherte sich am Ende Stage 1. Insgesamt gab es im Rennen sechs Gelbphasen und elf Führungswechsel zwischen fünf Fahrern.

Der Rennverlauf wurde von einem schweren Unfall überschattet. In Runde 77, kurz vor Ende der ersten Stage, verlor Alex Bowman am Ausgang von Kurve 2 das Heck seines Wagens. Beim Versuch gegenzulenken schoss das Auto nach oben und krachte in das Heck von Bubba Wallace, der mit hoher Geschwindigkeit in die Aussenmauer und danach noch in die Innenmauer der Gegengeraden einschlug. William Byron wurde ebenfalls in den Unfall verwickelt. Alle drei Fahrer mussten das Rennen vorzeitig beenden, Wallace und Bowman konnten ihre Wagen aus eigener Kraft verlassen und wurden nach Untersuchung im Infield Care Center ohne schwere Verletzungen entlassen.

Bowman übernahm im Anschluss die volle Verantwortung. “Das Auto ist einfach ausgebrochen”, sagte er. Er sei zuvor eher untersteuernd unterwegs gewesen, habe dann zu stark gegengelenkt und die beiden anderen Autos getroffen. “Das geht auf mich, ich habe es nicht gut genug abgefangen.” Wallace nahm es gelassen: “Kein Groll, das ist Rennsport.”

Strafen, Comebacks und die Konsequenzen für den Chase

Die Competition Caution nach 35 Runden brachte auch abseits des Bowman-Unfalls Bewegung ins Feld: Denny Hamlin wurde wegen eines Sicherheitsverstosses an der Box bestraft, Ryan Blaney wegen Geschwindigkeitsüberschreitung auf der Pit-Road ans Ende des Feldes zurückversetzt. Beide kämpften sich in der Folge zurück durch den Verkehr. Blaney beendete das Rennen am Ende auf Platz drei, 4,900 Sekunden hinter Briscoe, Hamlin wurde mit einem Rückstand von 5,884 Sekunden Fünfter.

Für die Meisterschaft bedeutet der Nachmittag in Charlotte vor allem eines: Für Wallace und Byron ist es im sechsten von zehn Chase-Rennen ein herber Rückschlag, während der Doppelerfolg von Briscoe und Bell dafür spricht, dass Joe Gibbs Racing aktuell das Mass der Dinge im Feld ist. Larson sammelte trotz Platz sechs immerhin die meisten Führungsrunden, was dafür spricht, dass er dank Stage-1-Sieg und starker Pace auch weiterhin ein ernstzunehmender Faktor im engen Titelkampf bleibt.