Klaus Weber · DTM-Korrespondent
Thomas Preining gewann über das gesamte Saisonfinale kein einziges Rennen und wurde trotzdem Champion, weil er in keinem der beiden Rennen schlechter als Fünfter wurde.
Thomas Preining sicherte sich am Sonntag beim DTM-Saisonfinale auf dem Hockenheimring mit Platz drei im zweiten Rennen den Titel als DTM-Meister 2026, seinen zweiten nach 2023. Das Wochenende selbst verlief dafür alles andere als geradlinig: zwei freie Trainings mit wechselnden Bedingungen, ein nasses Qualifying mit einer Überraschungs-Pole, ein durch eine rote Flagge unterbrochenes erstes Rennen und ein zweites Qualifying, in dem nur 0,006 Sekunden über die Pole entschieden. Wer die sechs Sessions nebeneinanderlegt, erkennt, warum am Ende nicht die schnellste Einzelleistung, sondern die Fehlerquote über den Titel entschied.
Preining ohne Laufsieg, aber auch ohne Totalausfall
Preining fuhr in beiden freien Trainings am Freitag die Bestzeit, 1:36.974 Minuten am Mittag und 1:47.823 Minuten bei nasser Strecke am Nachmittag. Im ersten Qualifying reichte es trotz gestrichener Bestzeit wegen Streckenbegrenzung nur zu Platz drei, im Rennen fiel er nach einem Ausritt ins Gras auf der Parabolika zwischenzeitlich bis auf Rang 13 zurück und beendete den Lauf als Fünfter, 17,057 Sekunden hinter Sieger Lucas Auer. Am Sonntag qualifizierte er sich mit Startplatz sieben solide, aber nicht spektakulär, und fuhr im Rennen schon in der ersten Runde auf Platz drei vor. Nach Engels Überholmanöver gegen Buus lag er hinter dem Mercedes-Piloten auf Rang zwei und liess Teamkollege Ricardo Feller in der letzten Runde vorbei, Platz drei reichte für den Titel.
Über sechs Sessions ergibt das ein Muster: kein einziger Sieg, aber auch kein Ergebnis schlechter als Platz sieben. Genau diese Fehlerquote unterschied ihn von seinen beiden Titelrivalen. Maro Engel gewann zwar das entscheidende zweite Rennen und fuhr mit Platz vier im ersten Rennen ebenfalls konstant, blieb am Ende aber 12 Punkte hinter Preining, auch weil ihn im ersten Rennen ein klemmendes rechtes Hinterrad beim Pflichtstopp die Führung kostete. Diese Führung hatte ihm Markenkollege Lucas Auer nach dem Restart überlassen, und den in der Schlussphase zurückeroberten dritten Platz musste Engel nach einem harten Manöver gegen Wittmann auf Anordnung der Rennleitung wieder abgeben. Marco Wittmann wiederum zeigte mit Platz drei im ersten und Platz sieben im zweiten Rennen zwei ordentliche Renn-Resultate, musste aber zweimal aus dem Mittelfeld aufholen: Rang elf im Qualifying am Samstag, Rang 16 am Sonntag.
Engstlers Pole-Wochenende endet in Runde zwei
Den steilsten Aufstieg bis zum Samstagmorgen erlebte nicht einer der Titelkandidaten, sondern Luca Engstler. Im ersten Training reichte es für den Abt-Piloten nur zu Platz acht, 0,431 Sekunden hinter Preining. Im zweiten Training verbesserte er sich auf Rang drei, ehe er im ersten Qualifying auf feuchter Strecke mit 1:47.048 Minuten seine erste DTM-Pole-Position überhaupt herausfuhr, 0,407 Sekunden vor Auer. Das Rennen selbst endete für ihn schon in der zweiten Runde: Im Kampf um die Führung berührten sich Engstler und Auer in der schnellen Rechtskurve vor der Mercedes-Tribüne, der Lamborghini schlug in die Mauer ein. Chassis, Getriebe und Motor waren laut einem Abt-Statement so schwer beschädigt, dass das Auto am Sonntag nicht eingesetzt werden konnte, weshalb Abt Sportsline nur noch mit Marco Mapelli antrat.
Im ersten Rennen prägte neben Engstlers Ausfall vor allem das Mittelfeld die Geschichte abseits des Podiums. Jules Gounon, der sich im Qualifying nur auf Platz 20 eingereiht hatte, fuhr bis auf Rang sieben vor, ein Sprung von 13 Positionen. Auf der Gegenseite verlor Ricardo Feller nach einer Kollision mit Thierry Vermeulen die vordere Stossstange seines Porsche und wurde mit drei Penalty-Laps belegt, am Ende stand Platz 15, zehn Positionen schlechter als sein Startplatz fünf. Nach dem Rennen kam für Bastian Buus noch ein weiterer Rückschlag hinzu: Die technische Abnahme stellte fest, dass im Tank seines Porsche nicht genug Restbenzin für die vorgeschriebene Benzinprobe vorhanden war, die Rennleitung disqualifizierte ihn nachträglich ans Ende des Feldes auf Platz 21.
0,006 Sekunden und Wittmanns Aufholjagd am Sonntag
Das zweite Qualifying lieferte mit 0,006 Sekunden Unterschied zwischen Buus und Feller das engste Pole-Duell des Wochenendes, fünf Piloten lagen binnen zwei Zehntelsekunden. Für Buus war es nach der Disqualifikation vom Vortag eine direkte Antwort, er ging als Schnellster ins Rennen und hielt sich bis zur zehnten Runde vorn, ehe Engel nach leichtem Kontakt vorbeizog. Am Ende stand für den Land-Piloten Platz vier, nur 0,296 Sekunden hinter Preining.
Die auffälligste Bewegung im Feld gelang an diesem Sonntag aber Marco Wittmann. Von Startplatz 16 fuhr der Schubert-Pilot bis auf Rang sieben vor, ein Sprung um neun Positionen. Mehr war nicht drin: Schon nach dem Qualifying hatte Wittmann die BoP-Einstufung seines BMW kritisiert, nach dem Rennen sagte er, man habe nicht die Chancen gehabt, noch etwas zu bewegen. Ähnlich deutlich verbesserten sich Mirko Bortolotti (von Platz 17 auf zehn) und Finn Wiebelhaus (von Platz 18 auf elf). Wittmanns Schubert-Teamkollege Kelvin van der Linde dagegen kam von Startplatz 14 nur auf Rang 18 und verlor 35,327 Sekunden auf Wittmann, den grössten internen Rückstand bei Schubert Motorsport an diesem Wochenende. Jules Gounon, der am Samstag noch von Platz 20 auf Platz sieben vorgefahren war, schied diesmal schon am Ende der ersten Runde nach einer Kollision mit Thierry Vermeulen aus. Ähnlich gegensätzlich verliefen die beiden Renntage nur für Bastian Buus, der am Samstag disqualifiziert wurde und am Sonntag von der Pole auf Platz vier fuhr.
Manthey EMA souverän in der Teamwertung
In der Fahrerwertung beendet Preining die Saison mit 225 Punkten vor Engel mit 213 und Wittmann mit 198, Lucas Auer wird mit seinem Rennsieg vom Samstag Vierter. In der Teamwertung setzte sich Manthey EMA mit 330 Punkten vor Winward Racing (309) und Schubert Motorsport (284) durch, nach 2023 und 2025 der dritte Teamtitel des Rennstalls innerhalb von vier Jahren. Dass mit Preining und Feller gleich zwei Manthey-Piloten im zweiten Rennen auf dem Podium standen, unterstreicht zusätzlich, wie konstant das Team über das gesamte Finalwochenende auftrat.
Für die kommende Saison bleibt die zentrale Beobachtung dieses Wochenendes bestehen: Die Unterschiede zwischen Qualifying- und Renntempo fielen bei mehreren Teams deutlich grösser aus als die Unterschiede zwischen den Fahrzeugen selbst. Wittmanns Sprung von Platz 16 auf Platz sieben und Gounons Gegensatz zwischen Platz sieben und einem Ausfall in Runde eins zeigen, wie stark Reifenabbau, Boxenstopp-Fenster und einzelne Zwischenfälle das Ergebnis noch immer verschieben können, selbst wenn die Balance of Performance das Feld rechnerisch eng beieinanderhält.
Fahrerwertung
DTM- 1. Thomas Preining 225 Pkt.
- 2. Maro Engel 213 Pkt.
- 3. Marco Wittmann 198 Pkt.
- 4. Lucas Auer 182 Pkt.
- 5. Matteo Cairoli 160 Pkt.
- 6. Nicki Thiim 149 Pkt.
- 7. Ben Dörr 140 Pkt.
- 8. Arjun Maini 132 Pkt.
- 9. Ricardo Feller 121 Pkt.
- 10. Jules Gounon 112 Pkt.




