Henri Dubois · Endurance-Korrespondent
Was bei den 6 Stunden von Fuji auf dem Papier nach einer kleinen Randnotiz aussieht, ist tatsächlich eine strategische Entscheidung mit Tragweite für die gesamte Rennwoche.
Alpine schickt seinen Hypercar-Prototypen A424 mit der Startnummer 35 bei den 6 Stunden von Fuji, dem kommenden WEC-Lauf in Japan, nur noch mit zwei Fahrern an den Start. Charles Milesi und Ferdinand Habsburg teilen sich das Cockpit, während António Félix da Costa und Frédéric Makowiecki für dieses Wochenende aus der Besetzung gestrichen wurden. Damit reagiert das französische Werksteam auf ein Reglement, das bei kürzeren WEC-Läufen durchaus Spielraum lässt, und folgt einem Muster, das in dieser Saison bereits Cadillac und Aston Martin vorgegeben haben.
Von drei auf zwei: Warum das Reglement es erlaubt
Im WEC-Reglement ist die Anzahl der Fahrer pro Auto nicht starr festgelegt, sondern richtet sich nach der Renndistanz. Bei den langen Klassikern wie den 24 Stunden von Le Mans oder den 8 Stunden von Bahrain schreibt das Reglement ein Fahrer-Trio vor, weil die Beanspruchung über einen ganzen Tag oder eine ganze Nacht hinweg kaum von zwei Piloten allein zu bewältigen wäre. Bei den kürzeren Sechs-Stunden-Läufen, zu denen Fuji zählt, ist dagegen auch eine Zweier-Besetzung zulässig.
Für ein Team bedeutet das eine Abwägung zwischen mehr Stints pro Fahrer und einem insgesamt schlankeren Fahrerkader für das jeweilige Wochenende. Wer mit zwei statt drei Piloten fährt, verteilt die Renndistanz auf weniger Schultern, was längere Einzelstints und eine andere Boxenstopp-Logik nach sich zieht, aber auch weniger Fahrerwechsel und damit potenziell weniger Zeitverlust an der Box bedeuten kann.
Milesi und Habsburg übernehmen, zwei Namen fehlen

Mit Charles Milesi und Ferdinand Habsburg vertraut Alpine für Fuji auf zwei Fahrer, die im laufenden Programm bereits eingebunden sind. António Félix da Costa und Frédéric Makowiecki stehen für dieses eine Wochenende nicht im Aufgebot, wie Alpine im Rahmen der Startlisten-Meldung bestätigte.
Für die beiden verbleibenden Piloten dürfte die Umstellung vor allem eines bedeuten: mehr Fahrzeit pro Fahrer über die sechs Stunden, dafür weniger Rotation an der Box. Wie sich das auf die Reifenverwaltung und die Renntempo-Konstanz über einen Doppelstint auswirkt, wird sich erst im eigentlichen Rennen zeigen.
Ein Muster in der Hypercar-Klasse
Alpine ist mit diesem Schritt nicht allein. Sowohl Cadillac als auch Aston Martin haben in dieser Saison bereits bei einzelnen Rennwochenenden auf Zweier-Besetzungen gesetzt, wenn die Renndistanz das zuliess. Dass sich nun auch ein drittes Werksteam diesem Ansatz anschliesst, spricht dafür, dass die schlankere Fahrerlogistik bei Sechs-Stunden-Läufen zunehmend als praktikable Option gesehen wird, nicht als Ausnahme.
Für die Hypercar-Wertung, in der seit der Reglementsänderung 2026 ausschliesslich der Hersteller als Marke zählt und nicht mehr das einzelne Team, dürfte diese Personalfrage keine direkte Rolle spielen. Wichtiger wird sein, wie sich die Umstellung auf die reine Renn-Performance des Wagens Nummer 35 auswirkt, und ob sich das Modell für künftige Sechs-Stunden-Wochenenden im Alpine-Kalender etabliert.




