Norris dämpft Erwartungen für Baku: “Würde im Moment nein sagen”

Lando Norris of Great Britain driving the (1) McLaren MCL40 Mercedes on track during practice ahead of the F1 Grand Prix of Monaco at Circuit de Monaco
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Marco Rossi · F1-Korrespondent

Der Weltmeister dämpft die Hoffnungen auf einen weiteren Papaya-Sieg, noch bevor der Tross überhaupt in Aserbaidschan angekommen ist.

Lando Norris hat vor dem Rennen in Baku klargestellt, dass er McLaren dort nicht in der Favoritenrolle sieht. Der amtierende Weltmeister nannte den engen Stadtkurs als Hauptgrund, seine Aussage deckt sich mit der Einschätzung von Teamchef Andrea Stella, der ebenfalls bestätigte, dass Baku keine typische McLaren-Strecke sei.

Ein Kurs ohne die Stärken des Weltmeister-Autos

Lando Norris, McLaren MCL38 during the Azerbaijan GP at Baku City Circuit 2026
Lando Norris, McLaren MCL38 during the Azerbaijan GP at Baku City Circuit 2025 – Photo: Pirelli

Baku ist eine Anomalie im Kalender: ein enger, verwinkelter Stadtkurs durch die Altstadt, auf dem laut Norris praktisch nur langsame Kurven aufeinanderfolgen und Hochgeschwindigkeitsabschnitte fehlen. Genau dort, so Norris, liege das Problem für McLaren. Auf die Frage, ob sein Team auch in Baku siegfähig sei, antwortete er knapp: “Würde im Moment nein sagen.”

Das ist keine beiläufige Bescheidenheit, sondern eine nüchterne technische Einschätzung. McLarens Stärken zeigten sich über die Saison eher in mittelschnellen bis schnellen Kurvenkombinationen, in denen der Wagen zum Massstab wurde. Baku verlangt das Gegenteil: viel Grip aus dem Stand, präzises Einlenken in engen Radien, Geduld statt Rhythmus.

Stella bestätigt die Einschätzung seines Fahrers

Auch Teamchef Andrea Stella wich der Frage nicht aus und bestätigte, dass Baku keine Strecke sei, auf der McLaren sich zuletzt besonders wohlgefühlt habe. Wenn ein Teamchef und sein Weltmeister öffentlich dieselbe Einschätzung teilen, ist das mehr als Understatement, es ist eine bewusste Erwartungssteuerung gegenüber Fahrerlager und Öffentlichkeit gleichermassen.

Für ein Team, das die Konstrukteurs- und Fahrerkrone in der laufenden Saison bereits gewonnen hat, mag diese Offenheit überraschen. Doch gerade weil Norris seinen ersten Titel nach Jahren als hartnäckiger Verfolger erst kürzlich eingefahren hat, dürfte ihm daran liegen, den Fokus auf die Arbeit statt auf Erwartungen zu legen, die das Auto an diesem Wochenende schlicht nicht einlösen kann.

Was auf dem Spiel steht

Für den Titelkampf selbst dürfte ein durchwachsenes Ergebnis in Baku wenig ändern, McLaren hat sich über die Saison genug Boden verschafft, um auch eine schwächere Strecke zu verkraften. Interessanter ist die strategische Botschaft dahinter: Norris und Stella signalisieren, dass Punkte einsammeln wichtiger ist als ein Podestplatz zu erzwingen, wenn das Auto an diesem Wochenende schlicht nicht das schnellste Paket stellt.

Ob sich diese Zurückhaltung als kluge Erwartungssteuerung oder als Understatement eines Teams erweist, das seine eigene Anpassungsfähigkeit unterschätzt, wird sich erst im freien Training zeigen. Baku hat in der Vergangenheit schon öfter Überraschungen produziert, gerade weil die Strecke so wenig verzeiht und so viel vom Fahrer statt vom reinen Abtrieb verlangt.

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