Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent
Eine kurzfristige Regeländerung verschiebt die Verantwortung für die Reifenwahl bei Nässe von der Rennleitung zurück in die Boxengasse.
NASCAR hat vor am 16. September 2026 eine Anpassung der Regeln für Regenrennen auf Ovalen bekanntgegeben, die den Teams deutlich mehr Entscheidungsspielraum einräumt. Konkret bedeutet das: Nur der Start eines Rennens wird künftig einheitlich von NASCAR vorgegeben, alle Fahrzeuge starten entweder auf Slicks oder auf Regenreifen. Alles, was danach passiert, also der Zeitpunkt eines Wechsels und die Wahl des Reifentyps im weiteren Rennverlauf, liegt jetzt im Ermessen der einzelnen Teams.
Was sich konkret ändert
Bisher hatte NASCAR bei Nässe auf Ovalen deutlich enger vorgegeben, wann und wie Teams zwischen Slicks und Regenreifen wechseln durften. Das neue Protokoll dreht dieses Prinzip um. Die Rennleitung bestimmt weiterhin die Ausgangslage beim Start, sobald die grüne Flagge fällt, liegt die Strategie jedoch bei den Crews an der Wand.
Für Cheftechniker und Strategen bedeutet das eine völlig neue Variable. Wer früh auf Slicks wechselt, wenn die Strecke abtrocknet, kann sich einen Vorteil verschaffen, riskiert aber bei einem erneuten Schauer, komplett falsch positioniert zu sein. Diese Art von Wette war unter den alten Regeln schlicht nicht möglich, weil NASCAR den Zeitpunkt vorschrieb.
Reaktion aus dem Fahrerlager

Laut einem Bericht über die Regeländerung äusserte sich Joey Logano bereits zu dem neuen Vorgehen und verteidigte die zusätzliche Verantwortung, die nun bei den Teams liegt. Sein Team, Team Penske, gehört traditionell zu den Organisationen mit besonders erfahrenen Strategen an der Kommandostelle, ein Umfeld, in dem eine flexiblere Reifenregel eher als Chance denn als Risiko gesehen werden dürfte.
Andere Teams dürften die Änderung deutlich vorsichtiger einschätzen. Wer weniger Erfahrung mit Wetter-Calls hat oder über eine dünnere Strategie-Crew verfügt, trägt jetzt ein Risiko, das vorher NASCAR selbst übernommen hatte. Das dürfte die Schere zwischen den grossen, gut ausgestatteten Organisationen und kleineren Teams bei Regenrennen tendenziell vergrössern.
Was das für kommende Ovalrennen bedeutet

Auf den flachen Kurz- und Meilen-Ovalen, wo Regen ohnehin schon für chaotische Restarts und enge Traffic-Situationen sorgt, kommt mit der neuen Regel eine zusätzliche taktische Ebene dazu. Ein falsch getimter Reifenwechsel kann jetzt über mehrere Positionen entscheiden, ohne dass ein Fahrer dafür etwas falsch gemacht hat.
Wie sich das in der Praxis auswirkt, wird sich erst beim ersten tatsächlichen Regenrennen unter dem neuen Protokoll zeigen. Bis dahin bleibt es bei Diskussionen in den Fahrerlagern darüber, welche Teams von der neu gewonnenen Freiheit am meisten profitieren dürften und welche sich eher mehr Vorgaben von NASCAR gewünscht hätten.





