Henri Dubois · Endurance-Korrespondent
Beim Auftakt zum Lone Star Le Mans übernahm Ferrari AF Corse in der texanischen Mittagshitze sofort das Kommando, während sich dahinter ein dicht gestaffeltes Hypercar-Feld formierte.
Im ersten freien Training zum Lone Star Le Mans, dem fünften Lauf der FIA-Langstreckenweltmeisterschaft 2026, fuhren am Freitagnachmittag auf dem Circuit of the Americas in Austin die beiden Ferrari 499P von AF Corse die schnellsten Zeiten. Antonio Giovinazzi, Alessandro Pier Guidi und James Calado führten die Zeitenliste mit 1:53.824 an, knapp vor dem Schwesterwagen von Antonio Fuoco, Miguel Molina und Nicklas Nielsen. Bei Temperaturen um die 30 Grad, die für die Fahrzeuge und ihre Reifen über eine sechsstündige Renndistanz am Sonntag zur eigentlichen Herausforderung werden dürften, war die erste Sitzung vor allem eine Bestandsaufnahme, kein Fingerzeig auf die Renn-Pace.
Ferrari vorn, aber das Feld bleibt dicht beisammen
Der Vorsprung der Scuderia auf die Verfolger fiel überschaubar aus. Alpine Endurance Team brachte den A424 von Victor Martins, Jules Gounon und Frédéric Makowiecki auf Rang drei, nur vier Zehntel hinter der Ferrari-Spitze, gefolgt vom Toyota GR010 Hybrid mit Sébastien Buemi, Brendon Hartley und Ryō Hirakawa. Der zweite Alpine, besetzt mit Ferdinand Habsburg, Charles Milesi und António Félix da Costa, reihte sich unmittelbar dahinter ein, ebenso der zweite Toyota mit Mike Conway, Kamui Kobayashi und Nyck de Vries auf Position sechs.
Über die gesamte Zeitenliste der Hypercar-Klasse hinweg lagen die ersten sieben Trios innerhalb von rund sechs Zehnteln, ein Bild, das für ein erstes freies Training typisch ist, wenn Reifenwahl und Spritmenge zwischen den Teams noch stark variieren. Auffällig war, dass Cadillac Hertz Team Jota mit Jack Aitken, Sébastien Bourdais und Earl Bamber die Lücke zu den drei Werken vorn hielt, während Aston Martin THOR Team und Genesis Magma Racing dahinter ein zweites, ebenfalls eng gestaffeltes Cluster bildeten.
BMW und Peugeot noch mit Reserven, kurze Unterbrechung durch de Vries

Etwas weiter zurück fanden sich die beiden BMW M Team WRT, angeführt vom Trio Kevin Magnussen, Raffaele Marciello und Dries Vanthoor auf Rang 15, sowie Peugeot TotalEnergies mit Loïc Duval, Malthe Jakobsen und Théo Pourchaire auf Position zehn. Ob es sich dabei um echte Programmunterschiede oder schlicht um unterschiedliche Trainingsagenden handelte, lässt sich nach einer einzelnen Sitzung kaum belastbar beurteilen, zumal Toyota, das laut aktuellem Zwischenstand die Herstellerwertung anführt, ohnehin wenig Anlass hat, sich früh in die Karten schauen zu lassen.
Kurzzeitig unterbrochen wurde die Sitzung, als Nyck de Vries im Toyota #7 von der Strecke abkam und laut Berichten eine kurze Full-Course-Yellow-Phase auslöste. Größere Folgen hatte der Vorfall für den Trainingsverlauf nicht, das Auto blieb im weiteren Verlauf der Sitzung konkurrenzfähig und landete am Ende auf Rang sechs.
LMGT3: Garage 59 vorn, spürbarer Abstand zur Hypercar-Klasse
In der LMGT3-Klasse, in der anders als in der Hypercar-Kategorie weiterhin eine eigenständige Teamwertung neben der Fahrerwertung geführt wird, setzte sich Garage 59 mit Marvin Kirchhöfer, Tom Fleming und Antares Au an die Spitze, mit einer Rundenzeit von 2:06.016. Iron Lynx um Martin Berry, Rui Andrade und Maxime Martin folgte auf Rang zwei, ehe sich der zweite Garage-59-Wagen mit Alexander West, Finn Gehrsitz und Benjamin Goethe auf Position drei einreihte. Vista AF Corse komplettierte mit Alessio Rovera, Simon Mann und François Hériau die vorderste Gruppe der Klasse.
Der Abstand zwischen der schnellsten LMGT3-Zeit und der Ferrari-Bestzeit in der Hypercar-Klasse betrug gut zwölf Sekunden, ein Wert, der zeigt, wie unterschiedlich die beiden Klassen unter den aktuellen Balance-of-Performance-Vorgaben angesetzt sind. Für die Boxencrews aller Teams bleibt bis Samstag Zeit, an Abstimmung und Reifenmanagement zu feilen, bevor Qualifying und Hyperpole die Startaufstellung für das sechsstündige Rennen am Sonntag festlegen, in dem die Hitze von Austin und ein womöglich enger werdendes Energiefenster nach den Reglementsvorgaben für 2026 am Ende ohnehin schwerer wiegen dürften als die Zehntel dieses ersten Trainings.





