Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent
Auf dem brandneuen Street Circuit rund um die National Mall setzt der Meisterschaftsführende ein Ausrufezeichen, während gleich mehrere Titelkandidaten ins Hintertreffen geraten.
Álex Palou hat sich am Samstag die Pole Position für den historischen Freedom 250 Grand Prix of Washington, D.C. gesichert. Der Ganassi-Pilot fuhr im Fast Six eine 56.899 Sekunden schnelle Runde und liess damit Kyle Kirkwood um über eine halbe Sekunde hinter sich, den bis dahin schnellsten Mann der Session. Es ist bereits die siebte Pole des Ganassi-Piloten in dieser Saison, gesetzt auf einer Strecke, die noch nie zuvor ein IndyCar gesehen hat.
Eine halbe Sekunde Vorsprung auf dem neuen Kurs

Kirkwood hatte die provisorische Bestzeit im Fast Six auf dem Konto, ehe Palou nachlegte und die Uhr auf 56.8993 Sekunden stellte. Der Rückstand des Andretti-Fahrers betrug am Ende 0.5668 Sekunden, eine Differenz, die auf einem 1,7 Meilen langen Street Circuit mit sieben Kurven beachtlich ist. Kirkwood selbst fand nach der Session offene Worte für die Leistung seines Rivalen: “The car’s been on rails all weekend. Alex Palou is just a legend. He made us look silly out there. I thought I put a stellar lap in, and he goes about six-tenths faster”, sagte Kirkwood.
Palou selbst zeigte sich sichtlich angetan vom neuen Layout rund um Kapitol und Washington Monument. “Incredible, man. Such a privilege to be racing here. It’s a spectacular place… My car was on rails. Very bumpy, but super fun”, sagte der Spanier nach seiner Runde. Die Bodenwellen entlang der Independence Avenue hatten das gesamte Wochenende für Gesprächsstoff gesorgt, und dass Palou trotzdem die sauberste Runde des Feldes hinlegte, dürfte unterstreichen, wie dominant er die Saison bislang gestaltet.
Scott McLaughlin komplettierte als Drittschnellster die erste Startreihe für Team Penske. Für den Neuseeländer ist es ein solides Ergebnis auf einer Strecke, die keinerlei historische Referenzwerte bietet; jeder Fahrer musste sich das Vertrauen in Bremspunkte und Curbs über das gesamte Wochenende neu erarbeiten.
Rasmussen mit Bestmarke, Malukas bricht Runde ab

Christian Rasmussen lieferte für ECR das Highlight der Qualifikation aus zweiter Reihe: Platz vier bedeutet den bisher besten Karriere-Quali-Start des Dänen in der NTT IndyCar Series. Marcus Armstrong komplettierte für Meyer Shank Racing mit Startplatz fünf ein starkes Wochenende, auch wenn er laut Berichten im Fast Six an der Bremszone von Kurve eins deutlich blockierte.
David Malukas erwischte es im entscheidenden Moment noch härter. Laut Berichten sperrte auch der Penske-Pilot beim Anbremsen der ersten Kurve die Reifen und entschied sich daraufhin, seine Pole-Runde abzubrechen, um Reifen und Chassis für den Sonntag zu schonen. Die Konsequenz war Startplatz sechs, ein Kompromiss, der angesichts der 147 Runden über 250 Meilen am Sonntag durchaus nachvollziehbar erscheint. Auf einem völlig neuen Kurs mit unbekanntem Reifenabbau kann ein beschädigter Reifensatz schon am Start über das gesamte Rennen entscheiden.
Dixon, Newgarden und Power auf der Verliererseite
Nicht jeder Titelkandidat fand sein Tempo in der Qualifikation. Scott Dixon musste sich mit Startplatz vierzehn begnügen, Josef Newgarden reihte sich auf Position sechzehn ein, und Will Power kam über Rang siebzehn nicht hinaus. Für drei Fahrer mit reichlich Meisterschaftserfahrung dürfte das ein Rückstand sein, den sie auf einem engen Street Circuit ohne viele Überholzonen erst wieder aufholen müssen.
Kyffin Simpson traf es am härtesten. Dem Ganassi-Piloten wurden in der ersten Qualifying-Runde seine beiden schnellsten Zeiten gestrichen, nachdem er laut Berichten in einen Vorfall verwickelt war, und er startet das Rennen von ganz hinten, Position fünfundzwanzig. Bereits im Training zuvor hatte laut Berichten Louis Foster auf der bumpigen Independence-Avenue-Geraden die Kontrolle verloren und war frontal in die Mauer vor Kurve sechs eingeschlagen, ein Vorfall, der die Tücken des neuen Kurses schon vor der Qualifikation deutlich machte.
Für Sonntag bedeutet das eine spannende Ausgangslage: Palou hat die Chance, von der Pole aus seinen fünften Meisterschaftstitel greifbar näher zu bringen, während Fahrer wie Dixon, Newgarden und Power auf einem Kurs ohne Historie und mit wenigen Überholmöglichkeiten früh im Rennen Boden gutmachen müssen. Wie viel ein sauberer Start auf diesem Layout tatsächlich wert ist, wird sich erst über die vollen 147 Runden zeigen.





