Kyle Larson stürmt im Overtime-Chaos von Talladega zur YellaWood-500-Sensation

TALLADEGA, ALABAMA - OCTOBER 25: Kyle Larson, driver of the #5 HendrickCars.com Chevrolet, celebrates in victory lane after winning during the NASCAR Cup Series YellaWood 500 at Talladega Superspeedway on October 25, 2026 in Talladega, Alabama. (Photo by Jonathan Bachman/Getty Images)
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Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent

Aus Platz 11 zur Ziellinie: Kyle Larson gewann die YellaWood 500 nach einem Überschlag, einer roten Flagge und einem irrwitzigen Schlussspurt im Draft.

Kyle Larson hat am Sonntag die YellaWood 500 auf dem Talladega Superspeedway gewonnen und sich damit in der Chase-Wertung einen gewaltigen Polster verschafft. Das Rennen, das wegen eines schweren Unfalls fünf Runden vor Schluss in die Verlängerung ging, endete mit einem Last-Lap-Vorstoss Larsons aus dem Mittelfeld heraus, der seinen Hendrick-Teamkollegen William Byron um 0,041 Sekunden knapp auf Platz zwei verwies. Für mehrere Chase-Fahrer wurde der Tag dagegen zum Albtraum.

Bells Pit-Road-Crash und der Big One in Stage 2

Schon früh im Rennen geriet der Titelkampf durcheinander. Christopher Bell, vor dem Wochenende nur knapp hinter Larson in der Chase-Wertung platziert, verlor bei grüner Flagge auf dem Weg zur Boxengasse die Kontrolle über seine Nummer 20 und touchierte die Innenmauer. Die Folgeschäden, darunter Reifenschäden vorne rechts, und eine Strafe, weil zu viele Crewmitglieder über die Boxenmauer gegangen waren, kosteten ihn mehrere Runden, am Ende stand für ihn nur Platz 35 zu Buche, zwölf Runden hinter Larson.

In Stage 2 folgte dann der erste echte Big One des Tages. Auf dem Talladega-Oval, wo dichtes Pack-Racing im Windschatten über den gesamten Rennverlauf typisch ist, reichte ein verlorener Schwung von Ryan Blaney in der Aussenspur, um eine Kettenreaktion auszulösen. Nach einem Kontakt mit Bubba Wallace waren binnen Sekunden laut Berichten rund ein Dutzend Wagen verwickelt, darunter mit Tyler Reddick, Chase Elliott und Denny Hamlin weitere prominente Namen. Blaney musste das Rennen vorzeitig beenden, Elliott und Reddick kämpften sich mit schweren Rückständen bis ins Ziel, am Ende lagen beide 42 beziehungsweise 52 Runden zurück.

Loganos Überschlag erzwingt die rote Flagge

Fünf Runden vor dem geplanten Ende spitzte sich das Geschehen an der Spitze dramatisch zu. Joey Logano, mit Carson Hocevar am Heck und Ross Chastain vor sich, wurde im Tri-Oval quergestellt, sein Ford schlug in die Aussenmauer und überschlug sich. Auf dem Dach rutschte der Wagen unter Funkenflug über die Start-Ziel-Linie, ehe das Rennen mit der roten Flagge unterbrochen wurde. Logano konnte das Wrack aus eigener Kraft verlassen. Er und der ebenfalls schwer eingeschlagene Riley Herbst wurden im Medical Center untersucht und wieder entlassen.

In den Unfall wurden mehrere weitere Fahrer hineingezogen. Riley Herbst schlug erst in die Aussenmauer ein, krachte dann mit hohem Tempo in die innere Begrenzung und musste seinen total beschädigten Wagen aufgeben, ebenso erwischte es Austin Cindric, der sich dem ausbrechenden Feld nicht mehr entziehen konnte, nachdem er zuvor mit Top-10-Resultaten in beiden Stages auf einem starken Kurs gelegen hatte. Auch Brad Keselowski, der nach starkem Beginn mit seinen RFK-Teamkollegen Chris Buescher und Ryan Preece die erste Stage noch auf Platz drei abgeschlossen hatte, musste das Rennen ebenfalls vorzeitig beenden. Nach der Unterbrechung ging es mit einem Green-White-Checkered-Restart in die Verlängerung.

Larsons Last-Lap-Coup und die Folgen für den Chase

Was dann folgte, hatte selbst für Talladega-Verhältnisse Seltenheitswert. Auf der Gegengeraden der allerletzten Runde lag Larson noch auf Platz 11, weit ausserhalb jeder Siegchance. Vor ihm ging Austin Hill in der Schlussrunde der Sprit aus, während Ricky Stenhouse Jr. an der Spitze lag. Über die Innenbahn holte Larson den nötigen Schwung, zog durchs Tri-Oval nach vorne und schob sich an der Ziellinie hauchdünn vor Byron. Dahinter komplettierten Ricky Stenhouse Jr., Ross Chastain und Cole Custer die Top 5, nachdem auch sie sich durch das Trümmerfeld der Schlussphase manövriert hatten.

Für die Chase-Wertung hat dieser Sonntag Gewicht. Larson baute seinen Vorsprung auf Denny Hamlin, der trotz seiner Verwicklung in den Big One als Achter noch glimpflich durch den Tag kam, auf 73 Punkte aus und reist mit einer äusserst komfortablen Ausgangslage nach Martinsville. Christopher Bell dagegen, der vor dem Rennen noch dicht an Larson dran war, rutschte durch seinen Pit-Road-Unfall auf Rang drei ab und liegt nun 74 Punkte zurück. Mit nur noch zwei Rennen, Martinsville und dem Finale in Homestead-Miami, bleibt den Verfolgern kaum noch Spielraum, den Rückstand auf den Mann aus dem Hendrick-Lager aufzuholen.