Marco Rossi · F1-Korrespondent
Beim Grossen Preis der USA kämpfen Mensch und Material gegen Hitze und Bodenwellen, während Ferrari in Austin sein letztes grosses Aero-Update der Saison ins Rennen schickt.
Wenn die Formel 1 an diesem Wochenende auf dem Circuit of the Americas in Austin, Texas, zu Gast ist, geht es um mehr als nur Punkte: Bei prognostizierten Asphalttemperaturen von über 55 Grad Celsius und dem notorisch unebenen Belag der Strecke steht Reifen, Bremsen und Antriebseinheiten ein Härtetest bevor. Gleichzeitig richten sich im Fahrerlager alle Blicke auf Ferrari, denn die Scuderia bringt laut Motorsport-Total zum COTA-Wochenende ihr viertes und letztes grosses Aerodynamik-Paket der Saison an den Start, mit dem sie den Abstand zur Spitze verkürzen will.
Hitze und Bodenwellen: COTA als Härtetest
Der Circuit of the Americas gilt seit jeher als einer der anspruchsvollsten Kurse im Kalender, und in diesem Jahr dürfte sich das noch einmal verschärfen. Die erwartete Hitze auf dem Asphalt bringt Kühlsysteme und Hybridantriebe an ihre Grenzen, während der berüchtigte unebene Asphalt im texanischen Hügelland zusätzlich für hohe mechanische Belastung an Fahrwerk und Unterboden sorgt.
Für die Ingenieure bedeutet das eine Gratwanderung: Ein steifes Setup bringt im technischen ersten Sektor mit seinen schnellen Kurvenkombinationen aerodynamische Vorteile, riskiert aber auf den Bodenwellen Instabilität und vorzeitigen Reifenverschleiss. Wer hier die richtige Balance zwischen Effizienz und Nachgiebigkeit findet, dürfte am Sonntag im Vorteil sein.
Ferraris letztes grosses Update für den SF-26
Im Zentrum des technischen Interesses steht Ferrari. Für den Grand Prix in Austin hat die Scuderia ein umfangreiches Update-Paket vorbereitet, das unter anderem einen überarbeiteten Unterboden, modifizierte Lufteinlässe und Seitenkästen sowie eine angepasste Motorabdeckung umfasst, wie Motorsport-Total berichtete. Ziel des neuen Unterbodens sind mehr Abtrieb und eine bessere aerodynamische Balance, während die Änderungen an Seitenkästen und Kühlöffnungen den Luftwiderstand senken sollen.
Das Paket hat für Ferrari eine doppelte Funktion. Kurzfristig soll es in Austin unmittelbar Performance bringen, langfristig dürfte es dem Team um Technikdirektor Loïc Serra als wichtiger Abgleich zwischen Windkanal und Rennstrecke für die Entwicklung des Boliden für die kommende Saison dienen. Wie gut diese Korrelation funktioniert, könnte sich schon am Wochenende in den Longrun-Zeiten zeigen.
Enger Kampf auf der Strecke, klare Lage in der Tabelle

In der Konstrukteurswertung ist die Lage vor Austin klarer, als es die Rennen vermuten lassen: Ferrari liegt mit 444 Punkten auf Platz zwei, 134 Punkte hinter Mercedes und rund 105 vor McLaren. Auf der Strecke dagegen liegen die vier Topteams so eng beieinander, dass schon kleine technische Fortschritte den Ausschlag geben können.
Charles Leclerc dämpfte am Medientag in Austin die Erwartungen. „Es sind keine wirklich grossen Upgrades. Ich habe viel darüber gehört, aber sie sind nicht so bedeutend, wie behauptet wird. Es ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung“, sagte er gegenüber F1inGenerale. Auf dem Papier, so Leclerc, sollte sich die Hierarchie der letzten Rennen nicht ändern, er erwarte aber einen sehr engen Kampf unter den vier Topteams.
Sollten die neuen Teile auf dem heissen COTA-Asphalt auf Anhieb wie erhofft funktionieren, dürfte Ferrari gute Chancen haben, den Abstand zu Mercedes auf der Strecke zu verkleinern. Ob das reicht, um am Sonntag auch vorne um den Tagessieg mitzureden, wird sich erst im direkten Vergleich mit den Spitzenteams auf der Strecke zeigen.





