Von der Startaufstellung zum Rennergebnis: Las Vegas zeigt, wie trügerisch ein starkes Qualifying sein kann

LAS VEGAS, NEVADA - OCTOBER 04: Chase Briscoe, driver of the #19 Bass Pro Shops Toyota, during the NASCAR Cup Series South Point 400 at Las Vegas Motor Speedway on October 04, 2026 in Las Vegas, Nevada. (Photo by Sean Gardner/Getty Images)
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Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent

Joe Gibbs Racing belegte im Qualifying die ersten vier Startplätze, doch nur Chase Briscoe machte daraus einen Sieg. Für viele im Feld lag zwischen Startplatz und Zielflagge eine ganz andere Geschichte.

Beim South Point 400 am Las Vegas Motor Speedway, dem fünften von zehn Chase-Rennen der Cup Series, gewann Chase Briscoe am Sonntag souverän vor Kyle Larson und Tyler Reddick. Doch wer das Wochenende nur über diese drei Namen liest, verpasst die eigentliche Geschichte: Zwischen dem Trainingsauftakt am Samstagmorgen, dem von Joe Gibbs Racing dominierten Qualifying und dem Rennergebnis am Sonntagabend lagen für etliche Fahrer Welten, und genau diese Verschiebung erzählt mehr über den Stand des Chase als das reine Resultat an der Spitze.

JGR sperrt das erste Startfeld-Quartett, aber nur Briscoe macht daraus Kapital

Im Qualifying am Samstag hatte Joe Gibbs Racing mit Hamlin, Ty Gibbs, Bell und Briscoe tatsächlich die ersten beiden Startreihen komplett besetzt, zum ersten Mal in der Teamgeschichte. Dass daraus am Sonntag nur ein einziger Sieg wurde, zeigt, wie wenig eine dominante Startaufstellung über 267 Runden auf dem 1,5-Meilen-Tri-Oval tatsächlich wert ist, wenn der Rennverlauf dazwischenkommt.

Hamlin, von der Pole gestartet, drehte sich in Runde 78 ohne Fremdeinwirkung, fuhr danach mit beschädigtem Splitter und kämpfte im letzten Rennabschnitt zusätzlich mit Problemen beim Benzindruck. Am Ende reichte es nur für Platz 16. Noch deutlicher traf es seine beiden Teamkollegen von den Plätzen zwei und drei: Ty Gibbs kam nach einer Strafe wegen zu hohen Tempos in der Boxengasse von Startplatz zwei nur bis Rang 17, Christopher Bell fiel mit Problemen an der Servolenkung von Startplatz drei bis auf Platz 23 zurück und blieb dabei sogar eine Runde im Rückstand. Einzig Briscoe, von Platz vier gestartet, verwandelte seine Qualifying-Form tatsächlich in Rennpace, führte 175 der 267 Runden an und gewann am Ende souverän.

Die Aufsteiger: Blaney, van Gisbergen und Logano fischen sich das Rennen zurecht

Während drei von vier JGR-Startern einbrachen, nutzten andere das enge Feld hinter der Spitzengruppe für einen regelrechten Sprung nach vorne. Ryan Blaney startete von Rang 20 und beendete das Rennen auf Platz fünf, ein Zugewinn von 15 Positionen, der ihn mitten in die Punkteverteilung der Top fünf katapultierte. Shane van Gisbergen schob sich von Startplatz 25 bis auf Rang neun vor, Joey Logano kletterte von Platz 23 auf Platz zehn.

Noch grösser war der Sprung von Noah Gragson, der nach dem Reifenschaden im Training ohne Zeit ins Qualifying ging und das Feld von ganz hinten, Startplatz 36, bis auf Rang 20 durcharbeitete. Austin Hill schaffte von Startplatz 33 immerhin noch Platz 22. Beide Fälle zeigen, dass sich enger Verkehr und Restarts auf einem Mittelstrecken-Oval wie Las Vegas über die volle Distanz sehr wohl noch aufholen lassen, auch von weit hinten im Feld.

Die Absteiger: starke Startplätze, enttäuschende Resultate im Mittelfeld

Auf der anderen Seite der Tabelle rutschten gleich mehrere Fahrer deutlich ab, die sich im Qualifying noch gut positioniert hatten. Ryan Preece fiel von Startplatz zwölf bis auf Platz 28 zurück, zwei Runden im Rückstand. Ross Chastain, von Rang 17 gestartet, kam nur bis Platz 30, ebenfalls zwei Runden zurück. Auch Brad Keselowski verlor von Startplatz 16 aus acht Positionen und landete auf Platz 24.

Im Mittelfeld hielt sich das Feld dagegen weitgehend im Rahmen der Erwartungen: Austin Cindric wandelte Startplatz sieben in Platz vier um, William Byron fuhr von Startplatz acht auf Rang sechs, Bubba Wallace bestätigte Startplatz neun mit Platz acht im Ziel. Für dieses Grüppchen, das weder spektakulär aufstieg noch einbrach, war das Wochenende schlicht solide, was in den engen Chase ebenfalls seinen Wert hat.

Was das Wochenende für die Meisterschaft bedeutet

NASCAR Cup Series
  1. 1. Kyle Larson 2318 Pkt.
  2. 2. Denny Hamlin 2278 Pkt.
  3. 3. Christopher Bell 2263 Pkt.
  4. 4. Joey Logano 2247 Pkt.
  5. 5. Ryan Blaney 2238 Pkt.

In der Gesamtwertung führt Kyle Larson nach diesem fünften von zehn Chase-Rennen mit 2318 Punkten weiterhin vor Denny Hamlin mit 2278 und Christopher Bell mit 2263 Punkten. Nur 55 Punkte trennen die ersten drei, nur 110 Punkte liegen zwischen Larson und dem auf Platz acht geführten Ty Gibbs. Gerade Bell und Ty Gibbs, die beide ein starkes Qualifying in ein enttäuschendes Rennergebnis verwandelten, müssen aufpassen, dass sich solche Wochenenden in der entscheidenden Chase-Phase nicht wiederholen.

Briscoe dagegen hat mit seinem zweiten Saisonsieg nicht nur die vollen 75 Punkte mitgenommen, sondern sich auch im Gesamtklassement an Ty Gibbs und Reddick vorbei von Rang acht auf Rang sechs vorgearbeitet, nur vier Punkte hinter Blaney. Mit noch fünf verbleibenden Chase-Rennen bleibt das Feld an der Spitze so dicht zusammen, dass ein Wochenende wie dieses in Las Vegas, mit seinen grossen Verschiebungen zwischen Startplatz und Zielflagge, für die entscheidende Phase der Saison fast schon programmatisch wirkt.