Marco Rossi · F1-Korrespondent
Ein Wolkenbruch, eine lange Safety-Car-Phase und ein Reglement-Paragraph sorgten dafür, dass die Startzeit des Qualifyings am Samstagabend kurzerhand neu festgelegt werden musste.
Das Qualifying zum Grossen Preis von Singapur beginnt am Samstag nicht wie geplant um 21.00 Uhr Ortszeit, sondern erst um 21.30 Uhr, in Mitteleuropa also um 15.30 Uhr statt 15.00 Uhr. Grund dafür ist kein technisches Problem an der Strecke, sondern ein chaotischer Sprint am Nachmittag, der die Rennleitung zwang, ein eigentlich starres Zeitfenster neu zu berechnen.
Ein Sprint, der aus dem Ruder lief
Schon der Start des Sprints verzögerte sich um eine halbe Stunde, nachdem kurz vor der geplanten Ampelphase heftiger Regen über den Marina Bay Street Circuit zog. Besonders in den Kurven 2 und 3 stand so viel Wasser auf der Fahrbahn, dass die Rennleitung keine andere Wahl hatte, als abzuwarten.
Als das Feld dann doch auf die Strecke durfte, hielt sich das Drama nicht an den verschobenen Zeitplan. George Russell, zu dem Zeitpunkt in Führung liegend, crashte bereits am Ende der ersten Runde, ein früher Ausreisser, der das Safety-Car auf die Strecke holte. In der letzten Runde kollidierten dann noch die beiden McLaren-Piloten Lando Norris und Oscar Piastri, ein teaminterner Zwischenfall, der dem Rennstall aus Woking sicher nicht gefallen haben dürfte. In die Länge gezogen hatte sich der Sprint aber schon vorher: Die Safety-Car-Phase nach Russells Unfall dauerte mehrere Runden, weil weitere liegengebliebene Autos geborgen werden mussten. Die Zielflagge fiel erst um 18.16 Uhr Ortszeit.
Die Drei-Stunden-Regel greift
Dass ein später Sprint-Schluss automatisch auch das Qualifying verschiebt, liegt an einer klaren Vorgabe im Sportlichen Reglement: Zwischen dem Schwenken der Zielflagge im Sprint und dem Start des Qualifyings müssen mindestens drei Stunden liegen. So bleibt den Teams genug Zeit, ihre Autos nach dem Sprint wieder herzurichten.
Rechnerisch darf das Qualifying damit frühestens um 21.16 Uhr beginnen. Die Rennleitung legte den Start auf 21.30 Uhr Ortszeit fest, eine pragmatische Lösung, die den Mechanikern von Mercedes und McLaren nach den Zwischenfällen im Sprint zusätzliche Reparaturzeit verschaffen dürfte.
Reparaturarbeit für Mercedes und McLaren
Für Mercedes bedeutete der Russell-Ausfall im Sprint Reparaturarbeit am Auto des Briten. Bei McLaren schlug Piastri nach der Kollision mit Norris in die Streckenbegrenzung ein, Norris konnte weiterfahren. Der Vorfall sorgte auch jenseits der reinen Reparaturzeit für Gesprächsstoff im Fahrerlager.
Ob die Reparaturen gelingen, wird sich erst im Qualifying zeigen. Fest steht schon jetzt, dass der Samstag in Singapur ein Lehrstück dafür ist, wie schnell ein verregneter Nachmittag den gesamten Ablauf eines Rennwochenendes durcheinanderwirbeln kann.




