Dallara IR-28: Was IndyCars neues Chassis für 2028 kann

INDYCAR IR-28 Testing at IMS - Photo By: Joe Skibinski
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Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent

Leichter, stärker und mit neuem Blick auf die Vergangenheit: Die NTT IndyCar Series hat ihr künftiges Chassis enthüllt, das 2028 den seit 2012 im Einsatz stehenden DW12 ablöst.

Die NTT IndyCar Series hat Ende Juli den Dallara IR-28 offiziell vorgestellt, das neue Chassis, mit dem die Serie ab der Saison 2028 an den Start gehen wird. Entwickelt wurde der Wagen, um den DW12 zu ersetzen, der seit 2012 im Feld steht. Die ersten Testfahrten liefen ab Ende Juli 2026 auf dem Indianapolis Motor Speedway, unter anderem mit Alex Palou und Alexander Rossi hinter dem Lenkrad.

Leichter, stärker, mehr PS unter der Haube

Alexander Rossi - INDYCAR IR-28 Testing at IMS - Photo By: Joe Skibinski
Alexander Rossi – INDYCAR IR-28 Testing at IMS – Photo By: Joe Skibinski

Der augenfälligste Unterschied zum aktuellen Auto liegt auf der Waage. Der IR-28 bringt rund 45 Kilogramm weniger auf die Strecke als der DW12, eine Differenz, die laut IndyCar spürbar bessere Fahrbarkeit und höhere Kurvengeschwindigkeiten bringen soll.

Unter dem Heck sitzt künftig ein komplett neuer 2,4-Liter-V6-Biturbo. Chevrolet und Honda treten dabei allerdings nicht als gemeinsame Entwickler auf, sondern bleiben Konkurrenten: Jeder Hersteller baut sein eigenes Triebwerk nach dem neuen Reglement. Dazu kommt ein überarbeitetes Hybrid-System, das trotz einer um etwa 10 Kilogramm reduzierten Masse deutlich mehr Energie speichern kann als die aktuelle Einheit. Insgesamt soll der IR-28 auf bis zu 760 PS kommen, ein Leistungssprung, der sich auf Ovalen wie Roadcourses gleichermassen bemerkbar machen dürfte.

Aerodynamik für engeres Hinterherfahren

Bei der Aerodynamik ging es den Ingenieuren vor allem um ein Problem, das IndyCar-Fahrer seit Jahren beschäftigt: die Verwirbelungen hinter dem vorausfahrenden Auto. Der IR-28 wurde gezielt so gestaltet, dass dieser Wake reduziert wird, was das Ansaugen im Draft und letztlich auch Überholmanöver in Kurven erleichtern soll. Gerade auf den flacheren Ovalen, wo enger Verkehr und nicht Pack-Racing den Rennverlauf prägt, könnte das einen echten Unterschied machen.

Optisch soll der Wagen die DNA früherer IndyCar-Generationen tragen, ohne dabei bei der Sicherheit Kompromisse einzugehen. Der Aeroscreen bleibt integraler Bestandteil des Designs, dazu kommen stärkere Seitenstrukturen und überarbeitete Crashstrukturen, die dem Auto trotz des reduzierten Gewichts mehr Reserven geben sollen als dem DW12.

Von Indianapolis zur Saison 2028

Alex Palou - INDYCAR, IR-28 Testing - By: Joe Skibinski
Alex Palou – INDYCAR, IR-28 Testing – By: Joe Skibinski

Dass IndyCar für die ersten Testfahrten ausgerechnet auf dem Indianapolis Motor Speedway setzte, ist kein Zufall. Alex Palou und Alexander Rossi übernahmen die ersten Shakedowns und Ovaltests bereits zwischen Ende Juli und September 2026, lange vor dem eigentlichen Renndebüt. Erklärtes Ziel der Serie ist es, mit dem neuen Chassis bestehende Streckenrekorde zu brechen, Indianapolis eingeschlossen.

Bis zum ersten Punkterennen des IR-28 bleibt noch eine Saison Zeit, 2027, in der weitere Tests, Feinabstimmungen an Motor und Hybrid-Einheit sowie Homologationsprozesse anstehen dürften. Für Teams und Fahrer bedeutet das vor allem eins: Wer schon jetzt versteht, wie sich das leichtere, stärkere Auto in Traffic und auf Roadcourses verhält, dürfte sich 2028 einen Vorteil verschaffen, wenn der DW12 nach mehr als anderthalb Jahrzehnten endgültig in Rente geht.