Marco Rossi · F1-Korrespondent
Ein Abend mit zwei Geschichten: der schnellsten Rundenzeit des Tages und einer Untersuchung, die Red Bulls Triumph noch infrage stellen könnte.
Max Verstappen hat sich am Freitag auf dem Marina Bay Street Circuit die Pole für den Sprint am Samstag gesichert, mit 1:31.156 und 0,120 Sekunden Vorsprung auf George Russell. Die Session wurde jedoch von einem Unfall, einer Zeitnahme-Panne, einem Fehler der Rennleitung und einem möglichen Regelverstoss Verstappens unter Gelbflaggen überschattet, über den die Rennkommissare noch entscheiden müssen.
Verstappen vor Russell: Red Bull dreht den Spiess um
Nach dem ersten freien Training, in dem George Russell mit Mercedes noch vorne lag, drehte sich das Bild im Sprint-Qualifying deutlich. Verstappen setzte in SQ3 die Bestzeit, knapp vor Russell und Charles Leclerc, der mit 0,243 Sekunden Rückstand Dritter wurde. Oscar Piastri und Lando Norris komplettierten als Vierter und Fünfter ein enges McLaren-Duo, während Lewis Hamilton als Sechster einräumte, sich in SQ3 beim Runplan verschätzt zu haben. Auf den Softs habe ihm zudem der Grip an der Hinterachse gefehlt.
Auffällig im Mittelfeld: Liam Lawson brachte die Racing Bulls auf Platz acht, noch vor dem zweiten Red-Bull-Piloten Isack Hadjar, dem die Rundenzeit in SQ3 wegen Verlassens der Strecke gestrichen wurde und der damit Neunter blieb. Gleiches widerfuhr Pierre Gasly auf Platz zehn. Andrea Kimi Antonelli, der als Gesamtführender der Meisterschaft nach Singapur gereist war, kam über Platz sieben nicht hinaus, ein Ergebnis, das für den Mercedes-Youngster keine Katastrophe ist, aber zeigt, wie eng das Feld zwischen Rang drei und neun beieinanderliegt.
Rote Flagge und Timing-Chaos in SQ1
Die Session wurde früh unterbrochen, nachdem Sergio Pérez mit seinem Cadillac in SQ1 in die Streckenbegrenzung einschlug und den Frontflügel beschädigte, was eine rote Flagge zur Folge hatte. Pérez und sein Teamkollege Valtteri Bottas landeten am Ende auf den Plätzen 20 und 21, weit abgeschlagen von der Spitze.
Nach der Unterbrechung kam es, wie die FIA mitteilte, zu einem weiteren Zwischenfall: Durch einen menschlichen Fehler in der Rennleitung stand der sogenannte Overtake Mode, der den Fahrern zusätzliche Hybridenergie freigibt, nach der roten Flagge zunächst nicht zur Verfügung. Laut FIA beeinflusste das die Leistung einzelner Autos, je nachdem, wann und wo auf der Runde sie unterwegs waren. Laut Motorsport Week soll Lance Stroll, der in SQ1 ausschied, davon betroffen gewesen sein, die FIA nannte jedoch keine Fahrer. Unabhängig davon verzögerte sich der Start von SQ2, weil die Zeitnahme einige Rundenzeiten aus SQ1 nicht erfasst hatte.
Gelbflaggen-Streit zwischen Verstappen und Hamilton
Für zusätzliche Spannung sorgte ein Vorfall während einer Gelbphase in SQ1, als Verstappen an Hamilton vorbeifuhr. Der Ferrari-Fahrer meldete den Vorgang direkt über den Boxenfunk mit den Worten „Max overtook me under a yellow flag“, woraufhin die Rennkommissare eine Untersuchung einleiteten. Verstappen meldete per Funk, er lasse Hamilton wieder vorbei, und sagte, er glaube, ihn noch vor der Gelbphase überholt zu haben, habe aber auf Nummer sicher gehen wollen.
Laut den FIA-Dokumenten wurden sowohl Verstappen als auch Hamilton wegen eines mutmasslichen Gelbflaggen-Verstosses zu den Stewards vorgeladen, die Anhörung war für 22:15 Uhr Ortszeit angesetzt. Eine Entscheidung stand bei Redaktionsschluss noch aus. Sie könnte Verstappen die Pole nachträglich kosten, eine Situation, die dem Red-Bull-Lager die Freude über die schnellste Zeit erst einmal trübt. Für Russell bleibt der zweite Platz im Sprint-Grid ohnehin nur ein Teilerfolg: Er muss nach dem Motorschaden beim Rennen in Malaysia wegen überzähliger Antriebseinheiten-Komponenten am Sonntag von ganz hinten starten, was seinen starken Freitag für die Meisterschaft relativiert. Wie Red Bull und die Rennkommissare mit der Gelbflaggen-Frage umgehen und ob Russell im Sprint selbst noch Boden gutmachen kann, wird sich erst am Samstag zeigen.





