Singapur im Sprintfieber: Antonelli verteidigt 84-Punkte-Vorsprung, Russell muss von hinten ran

Formula One - Mercedes-AMG PETRONAS F1 Team, 2026 Bahrain GP in Malaysia. Kimi Antonelli
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Marco Rossi · F1-Korrespondent

Zum ersten Mal in der Geschichte des Grand Prix von Singapur steht ein Sprintwochenende auf dem Programm, und ausgerechnet jetzt gerät die Mercedes-Harmonie an der Spitze der Meisterschaft unter Druck.

Vom 9. bis 11. Oktober steigt im Marina Bay Street Circuit der 17. von 24 Läufen der Saison 2026, und erstmals in der Streckengeschichte im Sprintformat. Andrea Kimi Antonelli reist mit einem Vorsprung von 84 Punkten auf Teamkollege George Russell an, doch der muss nach einem Antriebsschaden im vorangegangenen Rennen mit einer Startplatzstrafe ins letzte Sprintwochenende des Jahres gehen. Max Verstappen wiederum kommt mit dem ersten Saisonsieg im Gepäck nach Südostasien und will beweisen, dass Red Bull auch auf einer Strecke bestehen kann, die dem Team historisch eher Kopfzerbrechen bereitet als Komfort.

Ein ungewohntes Format für eine vertraute Bühne

Marina Bay ist für sein enges Layout und die tropische Schwüle bekannt, in diesem Jahr kommt eine weitere Variable hinzu: Zum ersten Mal in der Geschichte des Grand Prix findet hier ein Sprintwochenende statt, und zugleich das letzte der gesamten Saison. Das bedeutet für die Teams, dass nach nur einem einzigen 60-minütigen Freien Training am Freitagnachmittag (16:30 bis 17:30 Uhr Ortszeit) bereits am Abend die Sprint-Qualifikation folgt, von 20:30 bis 21:14 Uhr. Wer am Freitag die Balance nicht findet, hat kaum eine zweite Chance, bevor es ernst wird.

Am Samstag folgt um 17:00 Uhr der Sprint über eine Stunde, direkt im Anschluss daran um 21:00 Uhr die Qualifikation für den Grand Prix selbst. Den Abschluss bildet am Sonntag um 20:00 Uhr Ortszeit das Rennen über 62 Runden. Auf einem Stadtkurs, der ohnehin wenig Toleranz für Fehler kennt, verschärft das verdichtete Programm den Druck auf Ingenieure und Fahrer gleichermassen: Setup-Kompromisse müssen diesmal schneller fallen als sonst.

Russells Rückschlag trifft zur Unzeit

Für George Russell hätte der Zeitpunkt kaum ungünstiger sein können. Nach einem Antriebsschaden im vorherigen Rennen ersetzt Mercedes bei ihm nun mehrere Komponenten der Power Unit, wie das Team mitteilte, was eine Startplatzstrafe nach sich zieht. Russell wird den Grand Prix damit vom hinteren Ende des Feldes aus in Angriff nehmen müssen, ausgerechnet auf einer Strecke, auf der Überholen durch die engen Mauern notorisch schwierig ist.

Für die Meisterschaft ist das eine Hypothek, die sich kaum verstecken lässt. Mit 84 Punkten Rückstand auf seinen jungen Teamkollegen Antonelli war Russells Ausgangslage schon vor Singapur alles andere als komfortabel, nun droht sich die Lücke weiter zu vergrössern. Antonelli dagegen kann aus einer Position der Stärke operieren und muss in Marina Bay in erster Linie eines vermeiden: selbstverschuldete Fehler, die die Konkurrenz zurück ins Spiel bringen würden.

Verstappens Momentum und Mercedes’ Setup-Zwiespalt

KUALA LUMPUR, MALAYSIA - OCTOBER 04: Race winner Max Verstappen of the Netherlands and Oracle Red Bull Racing Laurent Mekies, Team Principal of Oracle Red Bull Racing and the Oracle Red Bull Racing team celebrate during the F1 Grand Prix of Bahrain in Malaysia at Sepang Circuit on October 04, 2026 in Kuala Lumpur, Malaysia. (Photo by Joe Portlock/LAT Images)
Race winner Max Verstappen of the Netherlands and Oracle Red Bull Racing Laurent Mekies, Team Principal of Oracle Red Bull Racing and the Oracle Red Bull Racing team celebrate during the F1 Grand Prix of Bahrain in Malaysia at Sepang Circuit on October 04, 2026 in Kuala Lumpur, Malaysia. (Photo by Joe Portlock/LAT Images)

Max Verstappen kommt mit dem ersten Saisonsieg 2026 im Rücken nach Singapur, und die Frage, die sich daraus ergibt, ist naheliegend: Lässt sich dieser Schwung auf eine Strecke übertragen, die dem Red-Bull-Paket in der Vergangenheit eher Probleme bereitet hat als Komfort? Marina Bay verlangt maximale mechanische Traktion und einen Abtriebslevel, der nicht immer zu Red Bulls Stärken zählte, insofern wird das Wochenende auch ein Gradmesser dafür, ob der jüngste Erfolg ein punktuelles Aufbäumen war oder der Beginn einer echten Aufholjagd.

Bei Mercedes wiederum sorgt offenbar keine Einigkeit darüber, wie das Auto in Singapur am besten eingestellt werden soll. Das Team setzt laut eigenen Angaben auf eine geteilte Fahrzeugkonfiguration, nachdem intern unterschiedliche Meinungen zu jüngsten Updates an Unterboden und Aerodynamik bestanden. Der Kompromiss zwischen dem hohen Abtriebsbedarf von Marina Bay und dem Energiemanagement über die Renndistanz dürfte dabei entscheidend sein, und wie gut dieser Spagat gelingt, wird sich erst in den wenigen Trainingsminuten am Freitag zeigen. Für Antonelli, Russell und auch für Verstappen bedeutet das letzte Sprintwochenende des Jahres damit mehr als nur eine weitere Station im Kalender, es ist eine Bühne, auf der sich die Kräfteverhältnisse der Schlussphase der Saison deutlich verschieben können.