Der Kreis schliesst sich: Red Bulls erster Sieg mit Red Bull Ford Powertrains Motor

KUALA LUMPUR, MALAYSIA - OCTOBER 04: Race winner Max Verstappen of the Netherlands and Oracle Red Bull Racing and the Oracle Red Bull Racing team celebrate during the F1 Grand Prix of Bahrain in Malaysia at Sepang Circuit on October 04, 2026 in Kuala Lumpur, Malaysia. (Photo by Sona Maleterova/Getty Images)
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Marco Rossi · F1-Korrespondent

Max Verstappens Sieg in Sepang ist der erste für Red Bull Ford Powertrains, und das in der allerersten Saison als Motorenhersteller. Für Ford endet eine Durststrecke von 23 Jahren, und zwar ausgerechnet mit dem Team, das es einst selbst verkauft hat.

Im Herbst 2004 zog sich Ford aus der Formel 1 zurück und verkaufte sein Jaguar-Team an einen Getränkehersteller aus Österreich. Aus diesem Rennstall wurde Red Bull Racing. Gut zwei Jahrzehnte später fuhr Max Verstappen beim Grand Prix von Bahrain in Malaysia in genau diesem Team zum Sieg, angetrieben von einem Motor, der in Milton Keynes entstanden ist und den Namen Ford trägt. Wie Verstappen das turbulente Rennen gewann, ist schnell erzählt. Was dieser Sieg für Red Bull bedeutet, braucht etwas mehr Platz.

Vom Kunden zum Hersteller

Seit dem ersten Rennen 2005 war Red Bull immer Kunde oder Partner anderer Motorenhersteller, zuletzt von Honda. Als die Japaner ihren Ausstieg ankündigten, traf das Team im Februar 2021 eine Entscheidung, die viele im Fahrerlager für kühn hielten: Red Bull gründete mit Red Bull Powertrains eine eigene Motorenabteilung. Bis Ende 2025 liefen die Autos noch mit der übernommenen Honda-Technik, parallel entstand in Milton Keynes ein komplett neuer Antrieb für das Reglement 2026.

Das Know-how holte sich Red Bull teilweise beim stärksten Konkurrenten. Im April 2021 holte Red Bull Ben Hodgkinson, bis dahin Leiter der mechanischen Entwicklung bei Mercedes High Performance Powertrains, als Technikchef, im Mai folgten fünf weitere leitende Ingenieure aus Brixworth. Im Februar 2023 stieg Ford als Partner ein. Der erste Motor der neuen Ära trägt die Bezeichnung DM01, benannt nach dem 2022 verstorbenen Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz.

Ein schwieriger Weg durch die erste Saison

Max Verstappen of the Netherlands and Oracle Red Bull Racing prepares to drive in the garage during qualifying ahead of the F1 Grand Prix of China at Shanghai International Circuit on March 14, 2026 in Shanghai, China. (Photo by Mark Thompson/Getty Images)
Max Verstappen of the Netherlands and Oracle Red Bull Racing prepares to drive in the garage during qualifying ahead of the F1 Grand Prix of China at Shanghai International Circuit on March 14, 2026 in Shanghai, China. (Photo by Mark Thompson/Getty Images)

Leicht war das Debütjahr nicht. Verstappen selbst sprach nach dem Rennen von einem sehr komplizierten und harten Saisonstart mit allen möglichen Problemen. Den ersten Podestplatz mit dem neuen Motor holte er im Mai in Kanada, später folgten weitere Top-3-Ergebnisse, unter anderem in Monza. Am Samstag in Sepang kam die erste Pole-Position dazu, zugleich die erste der Saison für ein Auto ohne Mercedes-Motor.

«Wir wussten von Anfang an, dass Red Bull Ford Powertrains einen starken Motor gebaut hat, kannten aber auch seine Grenzen», sagte Verstappen. «Schritt für Schritt sind wir näher gekommen, und heute haben wir es geschafft. Das ist wirklich besonders und ein emotionaler Moment.» Ein Rennen im ersten Jahr als neuer Motorenhersteller zu gewinnen, sei «ehrlich gesagt einfach unglaublich und etwas, worauf alle wirklich stolz sein sollten».

Teamchef Laurent Mekies sprach von einem weiteren Meilenstein in der Geschichte des Teams, dem ersten Sieg als Motorenhersteller in der allerersten Saison. «Alle in Milton Keynes und an der Strecke haben diesen Moment verdient und sollten ihn feiern, als wichtigen Schritt hin zu vielen weiteren Siegen.» Auch das Schwesterteam freute sich mit, Racing-Bulls-Teamchef Alan Permane gratulierte ausdrücklich der Motorenabteilung zum ersten Sieg im ersten Jahr.

Fords Rückkehr in die Siegerliste

Für Ford hat der Nachmittag eine eigene Dimension. Der letzte Formel-1-Sieg mit Ford-Schriftzug liegt 23 Jahre zurück: Giancarlo Fisichella gewann 2003 im Jordan den Grossen Preis von Brasilien, damals mit einem von Cosworth gebauten Motor. Mit Cosworth hatte Ford über Jahrzehnte Formel-1-Geschichte geschrieben, der legendäre DFV gehört zu den erfolgreichsten Motoren, die der Sport je gesehen hat. Der heutige Antrieb ist dagegen eine Gemeinschaftsentwicklung, ein Hybridsystem, das fast die Hälfte seiner Leistung elektrisch erzeugt.

Auch Verstappens Pole am Samstag schrieb ein Stück Ford-Geschichte. Es war die erste für einen Ford-Motor seit 1999, als Rubens Barrichello in Magny-Cours im Stewart-Ford auf den ersten Startplatz fuhr. Das Team von damals wurde ein Jahr später zu Jaguar und 2005 zu Red Bull Racing. Pole und Sieg mit Ford-Logo, 27 beziehungsweise 23 Jahre später, gingen also an denselben Rennstall.

Ein Meilenstein, noch keine Wende

Race winner Max Verstappen of the Netherlands and Oracle Red Bull Racing Laurent Mekies, Team Principal of Oracle Red Bull Racing and the Oracle Red Bull Racing team celebrate during the F1 Grand Prix of Bahrain in Malaysia at Sepang Circuit on October 04, 2026 in Kuala Lumpur, Malaysia. (Photo by Sam Bloxham/LAT Images)
Race winner Max Verstappen of the Netherlands and Oracle Red Bull Racing Laurent Mekies, Team Principal of Oracle Red Bull Racing and the Oracle Red Bull Racing team celebrate during the F1 Grand Prix of Bahrain in Malaysia at Sepang Circuit on October 04, 2026 in Kuala Lumpur, Malaysia. (Photo by Sam Bloxham/LAT Images)

So historisch der Sieg ist, an der Grosswetterlage ändert er wenig. Andrea Kimi Antonelli wurde Zweiter und führt die WM nach Russells Ausfall mit 84 Punkten Vorsprung an, sieben Rennen vor Schluss. Der Erfolg kam zudem in einem Rennen, in dem auch Strategie, Safety Cars und Reifenwahl eine grosse Rolle spielten. Auch Verstappen blieb kritisch: Seinen Start nannte er furchtbar, wieder habe er beim Loslassen der Kupplung keine Leistung gehabt, und die neuen Motoren seien mit ihrer vielen Software eben kompliziert.

Für Red Bull ist das Nebensache. Als Mateschitz das Team 2005 an den Start brachte, war es ein Kundenteam mit grossen Ambitionen. Mit dem Sieg von Sepang ist Red Bull nun das, wovon er geträumt hatte: ein Werksteam, das Chassis und Motor selbst baut und damit gewinnt. Dass Verstappen dabei mit seinem 72. Grand-Prix-Sieg auch noch mit Michael Schumachers Siegbilanz bei Ferrari gleichzog, passt zu einem Tag, an dem sich mehr als ein Kreis geschlossen hat.