Henri Dubois · Endurance-Korrespondent
Beim WEC-Lauf der 6 Stunden von Fuji 2026 fiel das gesamte Qualifying dem Wetter zum Opfer, und ausgerechnet Alpine steht nun ohne eine einzige gefahrene Rundenzeit auf beiden vorderen Startplätzen.
Die Rennleitung der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft strich vor den 6 Stunden von Fuji 2026 sowohl das reguläre Qualifying als auch sämtliche Hyperpole-Sessions ersatzlos, nachdem anhaltender Regen die Strecke aus Sicherheitsgründen unbefahrbar machte. Ohne eine einzige gemessene Rundenzeit steht damit fest, dass Alpine mit beiden Werkswagen von den vordersten Startplätzen ins Rennen geht, eine für die Serie ungewöhnliche Ausgangslage.
Warum die Session komplett gestrichen wurde
Dass Regen ein Qualifying verzögert oder verkürzt, gehört im WEC-Kalender zum Alltag, ein kompletter Ausfall aller Zeittraining-Segmente ist dagegen die Ausnahme. Nach den vorliegenden Informationen entschied sich die Rennleitung in Fuji dazu, sowohl das normale Qualifying als auch die Hyperpole, jene verschärfte Session, in der sich die schnellsten Fahrzeuge beider Klassen für die vordersten Startplätze qualifizieren, aus Sicherheitsgründen ganz zu streichen.
Für ein Fahrer-Trio mag ein einzelnes verlorenes Zeittraining verschmerzbar sein, für die Streckeningenieure bedeutet der Ausfall jedoch, dass sämtliche Abstimmungsarbeit an Reifendruck und Aerobalance für die schnelle Runde ins Leere lief, ohne dass sich das im Renntempo je zeigen wird. Wie ein Fahrzeug im Regen auf einer einzelnen fliegenden Runde reagiert hätte, bleibt damit für alle Teams reine Spekulation, was die Vorbereitung auf das eigentliche Rennen zusätzlich erschwert.
Eine Startaufstellung ohne gefahrene Zeit
Ohne Qualifying und Hyperpole musste die Startreihenfolge auf anderem Weg ermittelt werden, und am Ende dieses Verfahrens fanden sich beide Alpine-Hypercars auf den ersten beiden Positionen wieder, eine kuriose Konstellation, schliesslich hatte kein einziger Fahrer des Teams an diesem Wochenende auch nur eine gemessene Runde unter Zeitdruck gedreht.
Für die Konkurrenz aus der Hypercar-Herstellerwertung, in der seit der Reglementänderung 2026 ausschliesslich die Marke als Ganzes zählt und nicht mehr ein einzelnes Team, dürfte die Situation unangenehm sein, weil sich Toyota, Ferrari, Porsche, BMW und die übrigen Werke nun aus einer Startposition heraus behaupten müssen, die ihre eigentliche Rennpace über einen Stint hinweg nicht widerspiegelt. Gerade in der Hyperpole, die sonst genau diesen kurzen, intensiven Vergleich zwischen den schnellsten Paketen beider Klassen liefert, hätte sich gezeigt, wer im Nassen tatsächlich das stärkere Setup gefunden hat.
Wie es am Renntag weitergeht
Am eigentlichen Ablauf der 6 Stunden von Fuji ändert der Ausfall des Qualifyings nichts, das Rennen wird wie geplant über die volle Distanz gestartet, nur eben mit einer Startaufstellung, die stärker auf Formalien als auf Rundenzeiten beruht. Für ein Zermürbungsrennen dieser Länge relativiert sich eine Position auf der Startgeraden ohnehin rasch, entscheidend wird über sechs Stunden erneut sein, wie die Boxencrews ihre Doppelstints timen, wie die Reifen bei wechselnden Bedingungen abgebaut werden und welches Team im entscheidenden Strategiefenster die kühleren Nerven behält.
Sowohl für die Hypercar-Herstellerwertung als auch für die LMGT3-Klasse, in der die Teamwertung unverändert fortbesteht, gilt damit, dass der eigentliche Formvergleich erst im Rennen selbst stattfinden wird. Alpine dürfte aus der vorderen Position zunächst profitieren, ob daraus am Ende tatsächlich ein Vorteil über die volle Distanz wird, entscheidet sich jedoch erst dort, wo es in dieser Sportart immer entschieden wird: über Stunden, nicht über eine einzelne Runde.




