Marco Rossi · F1-Korrespondent
Auf dem neuen Stadtkurs Madring entschied ein einziges Boxenstopp-Fenster über Sieg und Niederlage, während Lewis Hamilton seinen Titeltraum endgültig begrub.
Andrea Kimi Antonelli hat am 13. September 2026 den ersten Grossen Preis von Spanien auf dem neu gebauten Stadtkurs Madring in Madrid gewonnen, nachdem ein Virtual Safety Car nach dem Unfall von Lance Stroll das Rennen in der 14. Runde komplett umgekrempelt hatte. Der Mercedes-Pilot profitierte von einem verpassten Boxenstopp-Fenster des von der Pole gestarteten Lando Norris und siegte vor Max Verstappen und Norris selbst, während Lewis Hamilton nach einem Bremsdefekt vorzeitig ausschied und seinen WM-Traum für diese Saison öffentlich für beendet erklärte.
Strolls Unfall und das Fenster, das Norris den Sieg kostete
Norris hatte von der Pole Position aus souverän kontrolliert und sich einen Vorsprung erarbeitet, der nach klassischem Drehbuch zum ersten Saisonsieg auf einem neuen Kurs gereicht hätte. Doch in Runde 14 verlor Lance Stroll nach einem Bremsversagen die Kontrolle über seinen Aston Martin und schlug in Kurve 20 in die Streckenbegrenzung ein, unverletzt, aber mit sofortiger Konsequenz für das gesamte Feld: Die Rennleitung schickte das Virtual Safety Car auf die Strecke.
Norris hatte die Boxeneinfahrt in genau diesem Moment bereits passiert und mit ihr das Fenster, in dem ein Reifenwechsel praktisch ohne Zeitverlust möglich gewesen wäre. Antonelli und Verstappen dagegen konnten sofort an die Box abbiegen und ihre Stopps unter reduziertem Tempo absolvieren. Norris musste eine komplette Runde im VSC-Tempo abwarten und dann unter grüner Flagge nachstoppen, inklusive eines zusätzlichen Aufenthalts von sieben Sekunden. Die Führung, die er sich über die ersten 14 Runden erarbeitet hatte, war damit weg, ohne dass er selbst einen Fehler gemacht hätte.
Hamiltons Bremsversagen und Ferraris zweigeteiltes Rennen

Für Lewis Hamilton endete der Nachmittag bereits in Runde sechs oder sieben mit einem Pedalausfall an den Bremsen, der ihn in die Streckenbegrenzung trieb und zur Aufgabe zwang, sein erster Ausfall der Saison 2026. Nach dem Rennen zog Hamilton einen Schlussstrich unter seine Titelambitionen: ‘Es gibt dieses Jahr kein Vorbeikommen an Kimi und Mercedes. Sie machen einen phänomenalen Job und haben es verdient’, sagte Hamilton.
Charles Leclerc hielt sich mit einer abweichenden Strategie zeitweise in Reichweite der Spitze, ehe er am Ende von Runde 48 zu seinem finalen Stopp an die Box beordert wurde und danach auf Platz vier zurückfiel, knapp 30 Sekunden hinter Antonelli. Für Ferrari bedeutete das einen Abend mit zwei Gesichtern: vorne ein Fahrer, der um den Sieg mitfuhr, dahinter ein zweiter, dessen Auto ihn im Stich liess.
Verstappens Kontrollfahrt, Sainz’ Heimdebakel und der Blick auf die Meisterschaft

Bereits beim Start hatte es zwischen Verstappen und Hamilton gefunkt: Der Red-Bull-Fahrer schnitt die erste Schikane ab, um vor dem Ferrari zu bleiben, musste die Position nach Funkbeschwerden Hamiltons aber wieder herausrücken. Am Ende reichte es Verstappen dennoch zu einem soliden zweiten Platz, mit dem er sichtlich zufrieden war: ‘Wenn ich an unsere Rennpace denke, ist Platz zwei für uns ein unglaubliches Resultat’, sagte Verstappen.
Für den Lokalmatador Carlos Sainz dagegen wurde das Heimrennen zum Debakel: Nach einer Startplatzstrafe wegen einer Behinderung im Qualifying ging er von Position 20 ins Rennen, kollidierte in Kurve eins mit Tsunoda und wenig später mit Alonso, ehe er die gesammelten Schäden an Unterboden und Frontflügel nicht mehr kompensieren konnte und aufgeben musste. Auch Sergio Pérez blieb in Runde 31 mit einem mutmasslichen Problem am Kühlkreislauf liegen. Mit seinem achten Saisonsieg baut Antonelli die Führung in der Fahrerwertung nach Angaben aus dem Fahrerlager auf über 80 Punkte aus, wollte sich selbst aber nicht festlegen: ‘Ich denke von Rennen zu Rennen’, sagte Antonelli. Norris hingegen liess seine Enttäuschung über das verlorene Fenster kaum verbergen: ‘Auf dieser Strecke ist Überholen fast unmöglich. Glückwunsch an Kimi und Max, sie haben keinen Fehler gemacht’, sagte Norris, ein Satz, der zeigt, wie eng in dieser Saison zwischen Triumph und verpasster Chance mittlerweile nur noch eine Boxeneinfahrt liegt.





