Antonelli schreibt Geschichte: Vom Startplatz 19 zum Heimsieg in Monza

Formula One - Mercedes-AMG PETRONAS F1 Team, 2026 Italian GP. Kimi Antonelli, George Russell
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Marco Rossi · F1-Korrespondent

Von ganz hinten im Feld zum Sieger auf der Bahn seiner Kindheit: Andrea Kimi Antonelli wurde in Monza zum ersten Italiener, der sein Heimrennen gewann, während Ferrari vor den eigenen Tifosi einen der bittersten Nachmittage der jüngeren Vereinsgeschichte erlebte.

Am 6. September gewann Andrea Kimi Antonelli im Mercedes den Grossen Preis von Italien in Monza, nachdem er das Rennen von Startplatz 19 aus aufgenommen hatte, eine Aufholjagd, die ihn zum ersten italienischen Fahrer machte, der sein Heimrennen für sich entschied. Ferrari dagegen erlebte vor den eigenen Fans ein Debakel: Charles Leclerc schied bereits in der zweiten Runde nach einem schweren Unfall aus, unverletzt, aber ohne Punkte. Am Ende baute Antonelli seine Führung in der Fahrerwertung aus, während sich das Feld dahinter neu sortierte.

Russell dominiert die Trainings, Gasly überrascht im Qualifying

MONZA, ITALY - SEPTEMBER 05: Pole position qualifier Pierre Gasly of France and Alpine F1 is presented with his Pirelli Pole Position award by Federica Brignone in parc ferme during qualifying ahead of the F1 Grand Prix of Italy at Autodromo Nazionale Monza on September 05, 2026 in Monza, Italy. (Photo by Rudy Carezzevoli/Getty Images)
Pole position qualifier Pierre Gasly of France and Alpine F1 is presented with his Pirelli Pole Position award by Federica Brignone on September 05, 2026 in Monza, Italy. (Photo by Rudy Carezzevoli/Getty Images)

Schon in den freien Trainings deutete sich an, dass Mercedes in Monza konkurrenzfähig sein würde. George Russell setzte in FP2 und FP3 jeweils die schnellste Zeit, in FP2 knapp vor Leclerc, in FP3 vor Hamilton und Verstappen. Antonelli, der in FP1 noch auf Platz 5 gelegen hatte, arbeitete sich bis zum dritten Training auf Rang 4 vor. Ferrari zeigte mit Leclerc, der das erste Training anführte, und Hamilton ebenfalls gute Form, konnte diese im entscheidenden Moment aber nicht bestätigen.

Im Qualifying drehte sich das Bild noch einmal: Pierre Gasly sicherte sich im Alpine die Pole Position, sechzig Tausendstel vor Russell und knapp vor Piastri und Leclerc. Für Alpine war es ein Achtungserfolg, der zeigte, wie eng das Mittelfeld an diesem Wochenende an die Spitzengruppe heranreichte. Verstappen qualifizierte sich nur auf Platz 6, ein für Red-Bull-Massstäbe ungewöhnlich schwacher Ausgangspunkt. Antonelli sicherte sich Platz 7, ein Ergebnis, mit dem er zufrieden sein durfte, ehe er das Rennen letztlich von Startplatz 19 aus aufnehmen musste, weit entfernt von der Position, die seine Rundenzeit im Qualifying nahegelegt hätte.

Leclercs Horrorcrash und Antonellis Aufholjagd

Schon in der zweiten Runde war das Rennen für Ferrari und die Tifosi praktisch gelaufen: Charles Leclerc verlor auf offener Strecke die Kontrolle über seinen Ferrari und krachte mit hoher Geschwindigkeit in die Streckenbegrenzung. Der Monegasse blieb unverletzt, doch der Unfall war so schwer, dass die Rennleitung die rote Flagge schwenken musste. Für Ferrari bedeutete es einen Nullpunkte-Nachmittag vor heimischem Publikum, ausgerechnet in Monza, wo die Scuderia seit Jahren auf einen Heimsieg wartet.

Nach dem Neustart entwickelte sich das Rennen zur Bühne für Andrea Kimi Antonelli. Von Position 19 kommend arbeitete er sich Runde für Runde nach vorn und überquerte am Ende als Erster die Ziellinie, 3,857 Sekunden vor seinem Teamkollegen Russell. Es war nicht nur sein Saisonsieg, sondern ein Ergebnis mit historischem Gewicht: Kein italienischer Fahrer hatte zuvor sein Heimrennen gewonnen. Max Verstappen komplettierte das Podest auf Platz 3, sein fünftes in dieser Saison, ein Ergebnis, das nach dem enttäuschenden Qualifying-Rang 6 zeigt, wie stark Red Bull über eine Renndistanz noch immer sein kann.

McLaren solide, Mittelfeld eng, Alonso und Stroll früh raus

Fernando Alonso of Spain driving the (14) Aston Martin F1 Team AMR26 Honda on track during practice ahead of the F1 Grand Prix of Italy at Autodromo Nazionale Monza
Fernando Alonso of Spain driving the #14 Aston Martin F1 Team AMR26 Honda on track during practice ahead of the F1 Grand Prix of Italy at Autodromo Nazionale Monza – Photo: Pirelli

Hinter dem Podium sortierte sich McLaren mit Lando Norris auf Platz 4 und Oscar Piastri auf Platz 5 ein, eine solide, aber keine überragende Ausbeute für ein Team, das im Titelkampf jeden Punkt braucht. Lewis Hamilton rettete auf Platz 6 wenigstens ein Achtungsergebnis für Ferrari, nachdem sein Teamkollege das Auto schon in Runde 2 in der Parabolica verlor und ausschied. Pierre Gasly, der von der Pole gestartet war, kam nur als Siebter ins Ziel, ein Rückschlag im Vergleich zu seiner starken Samstagsleistung, während Arvid Lindblad auf Platz 8 mit einem starken Rennen bester Fahrer im Racing-Bulls-Lager blieb, vor Franco Colapinto und Yuki Tsunoda, der sich mit Platz 10 noch einen Punkt sicherte.

Weiter hinten sorgten zwei Ausfälle für Gesprächsstoff. Lance Stroll musste seinen Aston Martin in Runde 28 wegen eines Hydraulikproblems an der ersten Schikane abstellen, was eine Phase mit dem virtuellen Safety Car auslöste, zusätzlich bestätigte die FIA im Nachgang eine Strafe gegen Stroll für einen als gefährlich eingestuften Zwischenfall mit Norris. Sein Teamkollege Fernando Alonso schied in Runde 23 aus, nachdem sein Auto durch das Überfahren der Randsteine in der zweiten Lesmo-Kurve beschädigt worden war, das Team entschied sich, den Spanier vom Kurs zu nehmen, um grösseren Schaden zu vermeiden. Für Aston Martin bedeutete Monza damit einen Nachmittag ohne einen einzigen gewerteten Kilometer.

In der Fahrerwertung baut Antonelli mit dem Heimsieg seine Führung weiter aus, während Ferrari nach dem Nullpunkte-Ergebnis von Monza im Konstrukteurstitelkampf spürbar unter Druck geraten dürfte. Für die Scuderia bleibt nur der Blick nach vorn: Die kommenden Rennen müssen zeigen, ob der Crash von Leclerc ein Ausreisser war oder ein Symptom einer tieferliegenden Formkrise, während Antonelli mit jedem weiteren Wochenende mehr Selbstvertrauen für den Titelkampf sammeln dürfte.

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