Marco Rossi · F1-Korrespondent
Ein Wechsel, der zeigt, wie stark sich das Fahrerlager auch abseits der Fahrerverträge neu sortiert.
Red Bull Racing hat Tom McCullough verpflichtet, bislang leitender Ingenieur bei Aston Martin, und macht ihn ab der Saison 2027 zum neuen Head of Racing. Der Wechsel ist Teil einer Umstrukturierung der sportlichen Organisation bei Red Bull und fällt mit einer weiteren personellen Weiche zusammen: Gianpiero Lambiase, der die Position bislang innehatte, verlässt das Team Ende 2027 in Richtung McLaren.
Ein Wechsel mit Signalwirkung
Dass ein Rennstall wie Red Bull seine sportliche Führungsebene neu ordnet, ist an sich nichts Aussergewöhnliches, Formel-1-Teams justieren ihre Organisation regelmässig zwischen den Saisons. Bemerkenswert ist hier eher der Zeitpunkt und die Herkunft des neuen Mannes: McCullough kommt direkt von einem Konkurrenten, der sich in den vergangenen Jahren selbst als aufstrebende Kraft im Feld positioniert hat.
Der Wechsel greift erst 2027, was Red Bull Zeit gibt, die Übergabe strukturiert zu gestalten, aber auch bedeutet, dass das Team bis dahin mit der aktuellen Konstellation arbeiten muss. Für ein Team, das seinen Anspruch auf den Titelkampf nie aufgegeben hat, ist eine derart langfristig geplante Personalie ungewöhnlich, sie deutet auf einen Umbau mit Substanz hin und nicht auf eine kurzfristige Reaktion auf ein enttäuschendes Jahr.
Die Lücke, die Lambiase hinterlässt

Lambiase war über Jahre eine der konstantesten Stimmen im Red-Bull-Fahrerlager und prägte als Teil der sportlichen Führung das Verhältnis zwischen Fahrern und Kommandostand mit. Sein Wechsel zu McLaren, einem der direkten Titelkonkurrenten von Red Bull, wiegt deshalb doppelt: Er nimmt nicht nur Erfahrung mit, sondern wechselt ausgerechnet zu jenem Team, gegen das Red Bull in den kommenden Jahren um Punkte und Podestplätze kämpfen dürfte.
Für Red Bull bedeutet das, eine über Jahre gewachsene Verbindung zwischen Fahrer und Ingenieur neu aufzubauen, was in einem Sport, in dem Vertrauen am Funkgerät über Zehntelsekunden entscheiden kann, keine triviale Aufgabe ist. Die Verpflichtung McCulloughs dürfte auch als Antwort auf diesen Verlust an Kontinuität zu verstehen sein, ein Versuch, frühzeitig für Stabilität in der sportlichen Leitung zu sorgen, bevor die Lücke im Alltag spürbar wird.
Aston Martins Verlust, Red Bulls Wette
Für Aston Martin ist der Abgang ein Rückschlag, der die sportliche Organisation des Rennstalls unmittelbar trifft. Dass ausgerechnet ein Konkurrent aus der Spitzengruppe einen zentralen Kopf aus dem Ingenieursteam abzieht, dürfte in Silverstone nicht nur mit Verständnis für die Karriereentscheidung, sondern auch mit einem gewissen Unmut aufgenommen werden.
Für Red Bull bleibt es eine Wette auf die Zeit nach 2027, wenn die Auswirkungen sowohl der neuen technischen Regularien als auch der personellen Neuausrichtung erst richtig sichtbar werden. Ob McCullough die Lücke, die Lambiase hinterlässt, tatsächlich schliessen kann, wird sich erst zeigen, wenn er selbst am Kommandostand steht, doch die Weichen für diesen Moment sind nun gestellt.





