Zandvoorts letztes Kapitel: Norris doppelt, Verstappen crasht aus dem Heimrennen

ZANDVOORT, NETHERLANDS - AUGUST 23: Race winner Lando Norris of Great Britain and McLaren Second placed Andrea Kimi Antonelli of Italy and Mercedes AMG Petronas F1 Team Third placed George Russell of Great Britain and Mercedes AMG Petronas F1 Team and the McLaren trophy delegate on the podium during the F1 Grand Prix of Netherlands at Circuit Zandvoort on August 23, 2026 in Zandvoort, Netherlands. (Photo by Anni Graf - Formula 1/Formula 1 via Getty Images)
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Marco Rossi · F1-Korrespondent

Ein Wochenende, das mit Regen begann und mit einer roten Flagge endete, entschied sich am Ende genau dort, wo es sich in diesem Jahr immer wieder entscheidet: an der Spitze bei McLaren, im Chaos dahinter bei fast allen anderen.

Lando Norris hat den Grossen Preis der Niederlande am 23. August in Zandvoort gewonnen, seinen zweiten Sieg in Folge, und damit das letzte Rennen dieser Ära auf dem Dünenkurs für sich entschieden. Vor ihm lagen ein durchwachsenes erstes Training, ein Sprintwochenende mit wechselnden Bestzeiten und schliesslich ein Rennsonntag, der schon in der ersten Kurve über das Schicksal des Heimfahrers Max Verstappen entschied. Am Ende stand ein Ergebnis, das die Formkurve des gesamten Feldes über drei Tage ziemlich genau abbildet.

Drei Tage lang tastete sich das Feld an die Spitze heran

Formula One - Mercedes-AMG PETRONAS F1 Team, 2026 Dutch GP. Kimi Antonelli, George Russell
Formula One – Mercedes-AMG PETRONAS F1 Team, 2026 Dutch GP. Kimi Antonelli, George Russell
2026 Dutch GP. Kimi Antonelli, George Russell, Photo Mercedes-AMG PETRONAS F1 Team

Schon im ersten freien Training deutete sich an, wie eng es in Zandvoort werden würde. Andrea Kimi Antonelli setzte die schnellste Zeit, knapp vor Norris und seinem Mercedes-Teamkollegen George Russell, während Ferrari mit Lewis Hamilton und Charles Leclerc auf den Rängen vier und fünf mithielt. Max Verstappen dagegen fand sich schon am Freitag nur auf Platz elf wieder, mehr als eine Sekunde hinter der Spitze, ein erstes leises Warnsignal vor dem eigenen Publikum.

Im Sprint-Qualifying übernahm Russell die Führung, knapp vor Norris und Leclerc, und im Sprint selbst setzte sich dieses Bild fort: Russell gewann vor Leclerc und Norris, Verstappen kam als Sechster ins Ziel und sicherte sich noch drei Punkte. Im entscheidenden Qualifying am Samstag drehte Norris dann die Reihenfolge um und sicherte sich mit 1:11.163 die Pole vor Russell und Antonelli, Verstappen qualifizierte sich nur als Siebter, mehr als vier Zehntel zurück. Für den Red-Bull-Fahrer war das schon vor dem Start ein Dämpfer, wie sich am Sonntag zeigen sollte, ein besonders folgenschwerer.

Rote Flagge in Runde eins beendet Verstappens Heimrennen

Max Verstappen of the Netherlands and Oracle Red Bull Racing on the drivers parade prior to the F1 Grand Prix of Netherlands at Circuit Zandvoort on August 23, 2026 in Zandvoort, Netherlands. (Photo by Mark Thompson/Getty Images)
Max Verstappen of the Netherlands and Oracle Red Bull Racing on the drivers parade prior to the F1 Grand Prix of Netherlands at Circuit Zandvoort on August 23, 2026 in Zandvoort, Netherlands. (Photo by Mark Thompson/Getty Images)

Ein kurzer Schauer vor dem Start zwang die Rennleitung, die Formationsrunde hinter dem Safety Car fahren zu lassen, weil die Strecke stellenweise noch feucht war. Kaum war das Feld freigegeben, geriet Verstappen in harte Positionskämpfe und berührte in der letzten Kurve mit einem Rad die weisse Linie, verlor die Kontrolle und schlug zweimal in die Streckenbegrenzung ein. Die Rennleitung zeigte die rote Flagge, Verstappen blieb unverletzt, sprach hinterher aber laut eigener Aussage von einem enttäuschenden Wochenende und davon, dass es deutlich schlimmer hätte kommen können. Für Verstappen dürfte der Nuller vor heimischem Publikum einen empfindlichen Rückschlag im Titelkampf bedeuten, ausgerechnet an einer Strecke, die für ihn seit Jahren Symbolcharakter trägt.

Nach der Unterbrechung übernahm Norris erneut das Kommando und liess es sich bis zur Zielflagge nicht mehr nehmen. Antonelli fuhr auf den zweiten Platz, Russell komplettierte das Podest auf Rang drei, womit Mercedes trotz verlorener Pole ein starkes Wochenende mit zwei Fahrern in den Top drei abschloss. Hamilton und Leclerc rundeten die Top fünf für Ferrari ab, Oscar Piastri kam als Sechster ins Ziel und verlor damit gegenüber seinem vierten Startplatz zwei Positionen, ein Ergebnis, das im Titelkampf der Fahrer durchaus zu Buche schlagen dürfte.

Alonso und Pérez liefern die Geschichten im Mittelfeld, Haas erwischt es doppelt

Während sich vorne die Meisterschaftskandidaten sortierten, lieferte das Mittelfeld die eigentlichen Überraschungen des Nachmittags. Fernando Alonso startete nur von Position 18 und beendete das Rennen als Neunter, ein Sprung von neun Plätzen, der Aston Martin wichtige Punkte einbrachte und zeigt, dass der Spanier auch mit 45 Jahren nichts von seinem Gespür für chaotische Rennen verloren hat. Noch deutlicher fiel der Aufstieg von Sergio Pérez aus: Vom letzten Startplatz kommend arbeitete er sich bis auf Rang 15 vor, sieben Positionen gutgemacht, wenn auch ohne Zähler. Auch Nico Hülkenberg profitierte vom Renngeschehen und kletterte von Startplatz 13 auf den achten Rang, direkt hinter Liam Lawson, der als bester Racing-Bulls-Fahrer von Startposition acht auf Platz sieben vorfuhr.

Auf der Verliererseite des Mittelfelds stand vor allem Gabriel Bortoleto, der von einem starken neunten Startplatz auf Rang 13 zurückfiel, während Arvid Lindblad zwei Plätze einbüsste. Für hitzige Szenen sorgte zudem die Kollision zwischen Carlos Sainz und Alexander Albon: Sainz, auf harten Reifen kämpfend, wurde von Albon auf frischeren Medium-Reifen touchiert, der Williams von Albon erlitt dabei Unterbodenschaden und musste vorzeitig an die Box, während Sainz die Schuld am Vorfall selbst einräumte und dafür eine Zehn-Sekunden-Strafe kassierte. Auch das Haas-Team erlebte einen bitteren Nachmittag: Oliver Bearman fiel bereits während der zweiten Formationsrunde mit einem Antriebsproblem aus, sein Teamkollege Esteban Ocon musste in Runde 55 mit einem Defekt an der Antriebseinheit folgen, was zugleich seine makellose Zielankunftsserie in dieser Saison beendete. Auch Valtteri Bottas schied aus, ein hydraulischer Defekt am Heckflügel zwang ihn in Runde 61 zur Aufgabe, nachdem laut eigener Aussage schon sein Teamkollege Pérez am selben Wochenende ein ähnliches Problem gehabt hatte.

Für Norris dürfte der Doppelsieg in Folge einen spürbaren Schub im Titelkampf bedeuten, während Verstappens Nullrunde vor eigenem Publikum die Ausgangslage für die verbleibenden Rennen spürbar zu verschieben droht. Zandvoort verabschiedet sich damit aus dem Kalender dieser Ära mit einem Rennen, das fast alles bot, was einen guten Grand Prix ausmacht, Drama in der ersten Kurve, Konstanz an der Spitze und Aufstiege wie Abstürze im Mittelfeld. Wie sich diese Verschiebungen auf den weiteren Saisonverlauf auswirken, wird sich spätestens beim nächsten Rennen in Monza zeigen, wo Red Bull unter Zugzwang stehen dürfte.