Marco Rossi · F1-Korrespondent
Kimi Antonelli gewinnt einen Belgien-Grand-Prix, der ihm nie ganz geschenkt wurde. Zwischen einer frühen Safety-Car-Phase, einem cleveren Ferrari-Konter unter virtuellem Safety Car und einem Duell mit Charles Leclerc bis zehn Runden vor Schluss bleibt der Mercedes-Pilot cool und baut seine WM-Führung weiter aus, während sein grösster Rivale George Russell schon nach wenigen Kurven im Kiesbett steht.
Die Pole-Position war für Kimi Antonelli am Samstag Formsache, 0,317 Sekunden vor dem Feld, der grösste Abstand zwischen Startplatz eins und zwei in dieser Saison. Die eigentliche Geschichte des Nachmittags in den Ardennen schrieb sich trotzdem erst im Rennen, und sie begann turbulent.
Verstappen kurz vorn, dann eskaliert es hinter den Ferrari
Max Verstappen erwischte den besseren Start und zog an Antonelli vorbei, konnte das Tempo aber nicht halten. Noch in der ersten Runde holte sich der Italiener die Führung im Windschatten der langen Kemmel-Geraden zurück, kurz darauf zog auch Charles Leclerc am Red Bull vorbei auf Rang zwei. Was wie eine kontrollierte Eröffnung aussah, kippte wenige Kurven später ins Chaos. George Russell, im zweiten Mercedes zunächst hinter die Ferrari zurückgefallen, versuchte sich mit einem späten Bremsmanöver an Lewis Hamilton vorbeizudrängen. Der Ferrari-Pilot verteidigte hart, es kam zur Berührung, Russell drehte sich von der Strecke und blieb im Kiesbett stehen. Für den bisherigen WM-Zweiten war das Rennen nach wenigen Kurven vorbei, für Hamilton gab es eine Fünf-Sekunden-Zeitstrafe. Das Safety Car musste ausrücken, bevor das Feld sich überhaupt sortiert hatte.
Ferraris VSC-Konter und Antonellis später Konter-Konter
Nach dem Neustart schien die Sache für Antonelli zunächst klar, der Vorsprung auf Leclerc blieb aber hartnäckig im Ein-Sekunden-Bereich. Ferrari nutzte eine spätere virtuelle Safety-Car-Phase für einen frühen Boxenstopp und sprang damit kurzzeitig vor den WM-Spitzenreiter, eine Strategie, die auf dem Papier nach dem Sieg roch. Antonelli liess sich davon nicht beirren. Zehn Runden vor Schluss setzte er das entscheidende Manöver gegen Leclerc und übernahm die Führung endgültig zurück, die er bis ins Ziel mit 1,952 Sekunden Vorsprung verteidigte. Der sechste Saisonsieg für den 20-Jährigen lässt ihn in der ewigen Liste italienischer Grand-Prix-Sieger mit Riccardo Patrese gleichziehen. Nur Alberto Ascari mit seinen 13 Erfolgen steht jetzt noch über ihm.
Hinter dem Podium, auf dem sich Verstappen als Dritter den 300. Podestplatz der Red-Bull-Geschichte sicherte, blieb es unruhig. Hamilton fing sich trotz seiner Zeitstrafe noch Oscar Piastri, der seinerseits früh mit Leclerc kollidiert war und sich mit Rang fünf begnügen musste. Fünf Runden vor Schluss ging der Ferrari-Pilot aussen vor Les Combes vorbei, sein Ergebnis steht aber unter Vorbehalt: Die Stewards prüfen nach dem Rennen eine mutmasslich unsichere Freigabe an Hamiltons Box, das Resultat könnte sich also noch verändern.
Hadjars Strategie-Coup, Audis Doppelschlag und der WM-Stand
Isack Hadjar, aus der letzten Startreihe losgefahren, zeigte mit einer nahezu perfekten Strategie, wie man ein schlechtes Quali vergessen macht, und wurde Sechster vor Weltmeister Lando Norris, der sich in den Schlussrunden zwar auf 1,1 Sekunden herankämpfte, für einen Angriff aber keine Zeit mehr fand. In den Punkterängen sorgte Audi für den nächsten guten Tag: Gabriel Bortoleto profitierte ebenfalls vom virtuellen Safety Car und wurde Achter vor Arvid Lindblad und Franco Colapinto. Nico Hülkenberg, der einzige deutsche Fahrer im Feld, blieb als Dreizehnter ohne Punkte und wartet damit weiter auf sein erstes Ergebnis in dieser Saison.
In der Gesamtwertung zieht Antonelli mit 204 Punkten deutlich davon. Hamilton rückt dank seines vierten Platzes an Russell vorbei auf Rang zwei mit 159 Punkten, während der ausgeschiedene Mercedes-Pilot mit 154 Zählern auf Platz drei zurückfällt. Der Rückstand auf Antonelli beträgt für Russell damit wieder die vollen 50 Punkte, die er sich vor Spa gerade erst erarbeitet hatte.





