Marco Rossi · F1-Korrespondent
Mit 102 Punkten Vorsprung reist Kimi Antonelli nach Austin, wo ihm unter bestimmten Bedingungen schon am Sonntag der Titel rechnerisch sicher sein könnte.
Kimi Antonelli führt die Fahrerwertung vor dem United States Grand Prix, Runde 18 der Saison 2026, mit 102 Punkten Vorsprung auf George Russell an. Vom 23. bis 25. Oktober stehen auf dem Circuit of the Americas in Austin fünf Streckensessions an drei Tagen auf dem Programm, und zum ersten Mal in dieser Saison steht die Möglichkeit im Raum, dass die Fahrer-Weltmeisterschaft schon an diesem Wochenende entschieden wird.
Die Rechnung, die Austin zum Pflichttermin macht
Fahrerwertung
Formel 1- 1. Andrea Kimi Antonelli 365 Pkt.
- 2. George Russell 242 Pkt.
- 3. Lewis Hamilton 241 Pkt.
- 4. Max Verstappen 236 Pkt.
- 5. Charles Leclerc 233 Pkt.
Ganz einfach ist die Ausgangslage trotz des komfortablen Vorsprungs nicht. Antonelli sichert sich den Titel vorzeitig, wenn er den Grand Prix gewinnt und gleichzeitig George Russell nicht besser als Neunter sowie Lewis Hamilton nicht besser als Fünfter ins Ziel kommen. Hamilton liegt als Dritter mit 229 Punkten nur neun Zähler hinter Russell und ist damit der zweite Fahrer, an dem die Rechnung hängt. Kommt Russell genau als Neunter ins Ziel, beträgt der Vorsprung exakt 125 Punkte, so viele, wie in den letzten fünf Rennen noch zu holen sind. Dann entscheidet die Zahl der Rennsiege, und Russell hat bisher drei Grands Prix gewonnen, zu wenig, um Antonelli auf diesem Weg noch abzufangen. Es ist also kein Szenario, das allein in Antonellis Hand liegt, auch wenn der Sieg die wichtigste Voraussetzung bleibt.
Für Russell und Hamilton bedeutet das umgekehrt: Ein Ausrutscher am Sonntag könnte die Meisterschaft faktisch beenden, noch bevor die letzten Rennen der Saison gefahren sind. Das verändert die Herangehensweise an ein Wochenende, das unter normalen Umständen vor allem als Gradmesser der Form gegolten hätte.
Verstappen als Spielverderber in spe
Wer die Rechnung am ehesten durcheinanderbringen könnte, gehört nicht einmal zum engsten Kreis der Titelrivalen. Max Verstappen reist mit zwei Siegen in Folge nach Austin und hat sich damit in der Formkurve der letzten Wochen klar vor dem Feld positioniert. In Singapur holte er neben dem Grand Prix auch den Sprint, beide Male von der Pole Position, und lag im Ziel 7,335 Sekunden vor Charles Leclerc, Antonelli wurde Dritter. Auf dem Circuit of the Americas kommt hinzu, dass er dort bereits viermal gewonnen hat, eine Bilanz, die ihn zu einem der gefährlichsten Konkurrenten um den Rennsieg macht, unabhängig vom Ausgang des Titelkampfs.
Sollte Verstappen am Sonntag vorne stehen, würde das Antonellis Weg zum vorzeitigen Titel ohnehin verbauen, denn die Rechnung setzt einen eigenen Sieg voraus. Für Austin bedeutet das: Der Titelkampf wird nicht im luftleeren Raum entschieden, sondern mit Verstappen als weiterem Faktor, der das Ergebnis mitbestimmt, obwohl er mit 119 Punkten Rückstand nur noch rechnerisch im Titelrennen ist.
Wie sich diese Rechnung am Wochenende auflöst, wird sich erst auf der Strecke zeigen. Fest steht schon jetzt: Austin hat das Potenzial, mehr zu liefern als nur ein weiteres Kapitel der Saison, es könnte der Ort sein, an dem sich entscheidet, wie lange der Titelkampf 2026 noch offen bleibt.





