Marco Rossi · F1-Korrespondent
Nach Platz zwei in Singapur sagt Charles Leclerc offen, dass Ferraris jüngste Updates nicht genügen, um Max Verstappen zu schlagen. In Austin bringt die Scuderia ihr letztes grosses Paket für den SF-26.
Zweimal in Folge hat Max Verstappen gewonnen, zweimal war Ferrari am Ende nicht nah genug dran. Charles Leclerc zieht daraus vor dem Grossen Preis der USA in Austin (23. bis 25. Oktober) eine nüchterne Bilanz: Die kleinen Neuerungen, die Ferrari zuletzt ans Auto gebracht hat, haben geholfen, aber sie reichen nicht, um mit Red Bull mitzuhalten. Ferrari müsse noch weitere neue Teile bringen, um auf dieses Niveau zu kommen, sagte der Monegasse nach dem Rennen in Singapur gegenüber Medienvertretern, darunter Motorsport.com.
Singapur: Platz zwei mit Abstand
Am 11. Oktober startete Leclerc auf dem Marina Bay Street Circuit von Startplatz zwei und kam gut weg, doch Verstappen verteidigte die Führung in die erste Kurve. In den Anfangsrunden hielt sich der Ferrari zeitweise innerhalb von sechs Zehnteln hinter dem Red Bull, was Leclerc den Overtake-Modus freischaltete. Zu einem echten Angriff reichte es trotzdem nicht, mit Beginn der siebten Runde wuchs der Abstand wieder. Kurz darauf neutralisierte ein erstes virtuelles Safety Car das Feld, nachdem Gabriel Bortoleto seinen Audi mit einem vermuteten Getriebeproblem abgestellt hatte.
Danach ging Ferrari bei der Strategie getrennte Wege. Leclerc gab am Funk selbst die Richtung vor: Plan C, entgegengesetzt zu Red Bull. Lewis Hamilton holte sich in der 19. Runde frische Soft-Reifen, Leclerc stoppte erst in Runde 25, eine Runde nach Kimi Antonelli, kam knapp vor seinem Teamkollegen auf Rang vier zurück und markierte kurz darauf die bis dahin schnellste Runde des Rennens. Als Lance Stroll seinen Aston Martin mit einem vermuteten Kupplungsdefekt in Kurve 15 abstellte, nutzte Leclerc das zweite virtuelle Safety Car für einen weiteren Stopp. In Runde 46 ging er an Hamilton vorbei, dessen Reifen nachliessen, und lag damit auf Rang zwei.
Verstappen war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon rund 15 Sekunden enteilt. Bis zur Zielflagge knabberte Leclerc noch etwa die Hälfte davon ab, am Ende fehlten ihm 7,335 Sekunden. Antonelli komplettierte das Podium, Hamilton fiel in der Schlussphase noch hinter Lando Norris und Oscar Piastri auf Rang sechs zurück und entschuldigte sich am Funk beim Team. Leclerc selbst haderte nicht mit der Strategie: Viel mehr sei an diesem Tag nicht drin gewesen, meinte er, höchstens ein etwas aggressiverer Start. Genau das macht seine Analyse so deutlich. Auf Plan C war Ferrari schnell genug für Platz zwei, für den Sieg fehlte schlicht das Tempo.
Sepang: Red Bull als Massstab bei der Strategie

Eine Woche zuvor hatte Leclerc einen zweiten Punkt angesprochen, der mit dem Auto wenig zu tun hat. Beim Grossen Preis von Bahrain, der in diesem Jahr in Sepang ausgetragen wurde, setzte Ferrari bei beiden Fahrern auf nasser Strecke auf Slicks, während Verstappen von der Pole-Position auf Intermediates startete und gewann. Leclerc touchierte später den Audi von Nico Hülkenberg, holte sich einen neuen Frontflügel und Intermediates und kämpfte sich noch auf Rang vier zurück.
Danach stellte er sich zwar hinter die Entscheidung, die er gemeinsam mit dem Team getroffen hatte, und sprach von einer knappen Abwägung. Zugleich nannte er Red Bull ausdrücklich als das Team, das solche Entscheidungen meistens mit beiden Autos richtig treffe. Ferrari müsse verstehen, was Red Bull dabei besser mache, sagte Leclerc, wie unter anderem PlanetF1 und GrandPrix247 berichteten. Es ist keine Abrechnung mit der eigenen Box, aber eine klare Benennung des Massstabs.
Was in Austin auf dem Spiel steht
Die Tabelle erklärt, warum Leclercs Worte Gewicht haben. In der Konstrukteurswertung liegt Ferrari mit 444 Punkten auf Rang zwei, klar hinter Mercedes (578), aber vor McLaren (337) und Red Bull (315). Der Titel ist ausser Reichweite, Platz zwei soll verteidigt werden. In der Fahrerwertung liegt Verstappen mit 221 Punkten nur noch sechs Zähler vor Leclerc (215), und Red Bull hat derzeit das Momentum.
In Austin will Ferrari dagegenhalten. Nach Berichten von Fachmedien wie Scuderia Fans bringt die Scuderia dort ihr viertes und letztes grosses Update-Paket für den SF-26, mit Änderungen an Unterboden, Seitenkästen und oberer Verkleidung. Eine Revolution ist nicht zu erwarten, die Technikabteilung arbeitet längst mit Blick auf das Auto für 2027. Ob das Paket den Schritt bringt, den Leclerc einfordert, wird der Circuit of the Americas zeigen.





