Henri Dubois · Endurance-Korrespondent
Am Vormittag führte Robert Kubica im Ferrari, am Nachmittag Harry Tincknell im Aston Martin. Nach dem ersten Trainingstag in Montmeló liegen sechs Hypercars innerhalb von 267 Tausendsteln.
Wer am Freitagabend auf die Zeitenlisten der 6 Stunden von Barcelona schaut, findet zwei verschiedene Namen an der Spitze und darunter ein Feld, das kaum enger beisammen liegen könnte. Im ersten freien Training setzte Robert Kubica im Ferrari 499P mit der Nummer 83 von AF Corse die Marke von 1:31,891 Minuten, im zweiten unterbot Harry Tincknell sie im Aston Martin Valkyrie mit der Nummer 007 auf 1:31,712. Zweimal 90 Minuten waren alles, was die Teams am Freitag von einer Strecke mitnehmen konnten, auf der noch nie ein WEC-Rennen gefahren wurde.
Erstes Training: drei Ferrari unter den ersten vier

Am Vormittag blieben nur zwei Fahrer unter 1:32 Minuten. Neben Kubica war das der Spanier Alex Riberas im zweiten Valkyrie, der Nummer 009, mit 0,107 Sekunden Rückstand. Dahinter folgten die beiden Werks-Ferrari, Antonio Giovinazzi in der Nummer 51 und Antonio Fuoco in der Nummer 50, getrennt von gerade 13 Tausendsteln. Drei 499P unter den ersten vier sind für Ferrari, das in Barcelona punkten muss, wenn die Titelentscheidung bis Monza warten soll, ein ordentlicher Auftakt, aber eben nur ein Trainingsergebnis.
Tincknell lag am Morgen als Fünfter noch 0,825 Sekunden zurück, Sébastien Buemi brachte den Toyota der Tabellenführer, die Nummer 8, auf Rang sechs. Die beiden BMW standen am Ende der Hypercar-Liste auf den Plätzen 16 und 17, obwohl die Nummer 15 mit 52 Runden mehr Kilometer sammelte als jedes andere Auto im Feld. Peugeot belegte die Ränge 14 und 15. Unterbrochen wurde die Sitzung nur einmal, rund eine halbe Stunde vor Schluss, von einer Full-Course-Yellow von etwa fünf Minuten.
Zweites Training: sechs Autos in 267 Tausendsteln
Am Nachmittag rückte das Feld zusammen. Tincknell setzte sich mit 1:31,712 an die Spitze, nur 0,038 Sekunden vor Mathys Jaubert im Genesis mit der Nummer 17, der am Vormittag noch Zwölfter gewesen war. Genesis ist das einzige Hypercar-Team, das die Strecke aus Testfahrten Ende 2025 kennt. Kubica wurde Dritter, Will Stevens im Cadillac mit der Nummer 12 Vierter, und damit unterboten vier Autos die Bestzeit des Morgens. Nyck de Vries im Toyota mit der Nummer 7 und Jack Aitken im zweiten Cadillac, der Nummer 38, komplettierten ein Sextett, das sich innerhalb von 0,267 Sekunden drängte. Die Sitzung lief ohne Zwischenfälle.
Die schnellsten Runden fielen bei den Hypercars früh, meist innerhalb der ersten acht Umläufe eines Autos. Sportscar365 beschreibt den Reifenabbau in Barcelona als hoch, und so sah der Nachmittag auch aus: Wer eine schnelle Runde wollte, musste sie mit frischen Reifen fahren, danach ging es um Dauerläufe. Für ein Sechsstundenrennen auf unbekanntem Asphalt ist genau dieser zweite Teil der wertvollere.
Die Werks-Ferrari fielen zurück, Fuoco auf Rang sieben, die Nummer 51 auf Rang zwölf. Ryō Hirakawa brachte den führenden Toyota auf Platz acht, Dries Vanthoor den besseren BMW auf Platz neun, Riberas folgte als Zehnter. Beide Toyota landeten damit in beiden Sitzungen zwischen den Rängen fünf und elf, unauffällig, was für ein Team, das am Sonntag zwei Titel klarmachen kann, keine schlechte Ausgangslage ist. Peugeot und Alpine fanden sich dagegen weit hinten wieder: Théo Pourchaire wurde mit der Nummer 94 Elfter, die beiden Alpine landeten auf 15 und 16, die Peugeot mit der Nummer 93 als Letzte der Klasse.
LMGT3: Ferrari am Morgen, McLaren am Nachmittag
In der GT-Klasse begann der Tag mit einem Doppelerfolg für Vista AF Corse. Alessio Rovera fuhr im Ferrari 296 mit der Nummer 21 eine 1:41,420, Davide Rigon im Schwesterauto mit der Nummer 54 lag 0,431 Sekunden dahinter. Charlie Eastwood brachte die Corvette von Racing Team Turkey by TF auf Rang drei, Marvin Kirchhöfer im McLaren der Nummer 10 und Maxime Martin im Mercedes-AMG der Nummer 61 vervollständigten eine Spitze aus vier Marken. Der Aston Martin mit der Nummer 27 von Heart of Racing, einer der Titelanwärter, beendete den Vormittag als Letzter der Klasse.
Am Nachmittag drehte sich die Reihenfolge fast vollständig. Finn Gehrsitz setzte den McLaren mit der Nummer 58 von Garage 59, am Morgen noch Vorletzter, mit 1:41,650 an die Spitze, blieb damit aber 0,230 Sekunden über Roveras Vormittagszeit. Hadrien David folgte im Lexus der Nummer 78 von Akkodis ASP, Lin Hodenius im Mercedes-AMG der Nummer 79 von Iron Lynx wurde Dritter, obwohl das Auto nur 21 Runden fuhr. Die Nummer 27 arbeitete sich auf Rang vier vor, Parker Thompson im BMW der Nummer 69 von WRT wurde Fünfter. Die beiden Ferrari fielen auf die Plätze neun und 15 zurück, die beiden Corvette landeten auf 16 und 17.
Was der Samstag klären muss
Am Samstag trennen sich die Klassen. Die LMGT3 fährt um 08:50 Uhr ihr drittes Training, um 11:50 Uhr das Qualifying und um 12:10 Uhr die Hyperpole. Die Hypercars folgen mit dem letzten Training um 12:40 Uhr, dem Qualifying um 15:40 Uhr und der Hyperpole um 16:00 Uhr.
Der Freitag hat in beiden Klassen vor allem gezeigt, wie schnell sich die Reihenfolge auf diesem Asphalt verschiebt. Eine einzelne Bestzeit erklärt dabei wenig. Wer am Sonntag nach sechs Stunden vorne steht, wird das eher den Dauerläufen dieses Nachmittags verdanken als der einen schnellen Runde zu Beginn.




