Premiere in Montmeló: Toyota kann in Barcelona beide WEC-Titel klarmachen

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Henri Dubois · Endurance-Korrespondent

Zum ersten Mal fährt die Langstrecken-WM in Barcelona, und schon im vorletzten Lauf könnte Toyota Fahrer- und Herstellertitel entscheiden.

Vom 16. bis 18. Oktober betritt die FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft Neuland. Der Circuit de Barcelona-Catalunya in Montmeló richtet zum ersten Mal einen WEC-Lauf aus, die 6 Stunden von Barcelona starten am Sonntag um 12:00 Uhr Ortszeit. Es ist der vorletzte Lauf der Saison, und er beginnt mit einer klaren Ausgangslage: Toyota führt sowohl die Fahrer- als auch die Herstellerwertung an und kann nach der Rechnung der FIA WEC beide Titel bereits in Katalonien sichern.

Ein Ersatzrennen auf vertrautem, aber neuem Boden

Im ursprünglichen Kalender stand Barcelona gar nicht. Ende Juli bestätigte die WEC, dass die 1812 Kilometer von Katar und die 8 Stunden von Bahrain wegen der Lage im Nahen Osten in diesem Jahr nicht stattfinden. An ihre Stelle traten Barcelona und das Saisonfinale in Monza am 8. November. Beide Ersatzrennen dauern sechs Stunden und vergeben die normale Punkteskala mit 25 Zählern für den Sieg, nicht die erhöhten Punkte, die für die längeren Formate vorgesehen waren.

Fremd ist die Strecke dem Langstreckensport trotzdem nicht. Die European Le Mans Series gastiert regelmässig auf den 4,657 Kilometern mit 14 Kurven, und vor der Saison 2019/20 diente Montmeló der WEC als Schauplatz ihrer Testfahrten, des sogenannten Prologs. Ein Weltmeisterschaftsrennen gab es hier aber noch nie, und die Hypercars treten in Barcelona zum ersten Mal im Wettbewerb an. Belastbare Vergleichswerte aus einem Rennen hat damit niemand. Einzig Genesis kennt die Strecke aus drei Testtagen Ende 2025. Für die Ingenieure bedeutet das, dass die beiden freien Trainings am Freitag mehr Gewicht haben als an einer Strecke, deren Reifenabbau man aus den Vorjahren kennt.

Toyota mit zwei Matchbällen

In der Fahrerwertung liegt das Trio der Nummer 8, Ryō Hirakawa, Brendon Hartley und Sébastien Buemi, zehn Punkte vor den Teamkollegen im Toyota mit der Nummer 7. Nach Barcelona sind nur noch 26 Punkte zu vergeben. In der Herstellerwertung beträgt der Vorsprung auf BMW 23 Punkte, ausgebaut durch den Toyota-Sieg im September in Fuji, den vor dem Rennen kaum jemand erwartet hatte.

Für Buemi ist das Wochenende ohnehin besonders: Er bestreitet als erster Fahrer sein 100. Rennen in der WEC. Vor den letzten zwei Läufen lag er schon 2014, in der Saison 2018/19 und 2023 an der Spitze, und jedes Mal wurde er am Ende Weltmeister. Ein fünfter Titel wäre einer mehr, als je ein Fahrer in dieser Meisterschaft gewonnen hat.

BMW hat beide Fahrzeuge, die Nummern 15 und 20, noch im Rennen um den Fahrertitel, muss aber Boden gutmachen. René Rast und Robin Frijns, lange Tabellenführer, haben aus den letzten drei Rennen nur vier Punkte geholt. Auch Weltmeister Ferrari braucht in Barcelona ein starkes Resultat, wenn die Entscheidung erst beim Heimspiel in Monza fallen soll. Dass in den letzten fünf Läufen fünf verschiedene Hersteller von der Pole gestartet sind, zeigt, wie eng das Feld beisammen liegt, und auf einer Strecke ohne Vorgeschichte wird diese Unberechenbarkeit kaum kleiner.

Der Samstag, Klasse für Klasse

Am Freitag fahren beide Klassen gemeinsam, das erste freie Training beginnt um 11:30 Uhr, das zweite um 16:30 Uhr. Am Samstag trennt der Zeitplan die Klassen. Die LMGT3 eröffnet um 08:50 Uhr mit ihrem dritten Training, um 11:50 Uhr folgt ihr Qualifying und um 12:10 Uhr die Hyperpole, in der die zehn Schnellsten die Startplätze vorne unter sich ausmachen. Danach übernehmen die Hypercars: drittes Training um 12:40 Uhr, Qualifying um 15:40 Uhr, Hyperpole um 16:00 Uhr. Jede Klasse hat damit genau ein Qualifying und eine Hyperpole, und den Hypercar-Teams bleiben zwischen ihrem letzten Training und dem Qualifying drei Stunden, um die Daten eines neuen Asphalts auszuwerten.

LMGT3: Corvette greift nach dem ersten Titel

Auch in der GT-Klasse kann in Barcelona eine Entscheidung fallen. TF Sport hat mit seinen Corvette die Teamwertung im Blick, und die Konkurrenz muss nun liefern, um das Finale offen zu halten. Am besten positioniert ist der Aston Martin Vantage mit der Nummer 27 von Heart of Racing, als einziges Auto der Klasse in den letzten beiden Läufen auf dem Podium, mit dem Sieg in Austin und Rang zwei in Fuji. Dahinter lauern die beiden Porsche von Manthey und die von WRT eingesetzten BMW. Auch der Ferrari 296 mit der Nummer 21 von Vista AF Corse ist noch im Spiel, doch Ferrari wartet in der LMGT3 seit elf Rennen auf einen Sieg, die längste Durststrecke der Marke in einer GT-Klasse dieser Meisterschaft.

Sechs Stunden auf einer Strecke, die keines dieser Autos aus einem Rennen kennt, lassen sich nicht im Qualifying gewinnen. Entscheidend wird sein, welches Fahrer-Trio seine Stints auf einem unbekannten Reifenabbau am saubersten einteilt und welche Boxencrew ihre Strategiefenster trifft. Für Toyota kann das schon reichen, um am Sonntagabend zwei Titel zu feiern. Für alle anderen geht es darum, die Entscheidung bis Monza zu vertagen.