Marco Rossi · F1-Korrespondent
Noch im ersten Jahr des V6-Hybridreglements will Mohammed Ben Sulayem den V8 schon 2030 zurückbringen. Beschlossen ist das noch nicht, die Abstimmung soll bis Jahresende folgen.
Die Bühne war eigentlich für eine andere Nachricht gebaut. Am 13. Oktober stellten FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem, Ruandas Präsident Paul Kagame und F1-Chef Stefano Domenicali in Kigali den künftigen Grand Prix von Afrika vor. Doch die Schlagzeile des Tages lieferte Ben Sulayem nebenbei: Die Formel 1 soll bereits 2030 zu V8-Motoren zurückkehren, ein Jahr früher als die 2031, die er zuvor genannt hatte. Er berief sich dabei auf die Unterstützung der Formula One Management und der Hersteller. Beschlossen ist das Reglement allerdings noch nicht, die Abstimmung darüber soll bis Ende 2026 folgen.
Eine Ära, die kaum begonnen hat, steht schon zur Disposition
Erst seit der laufenden Saison 2026 fährt die Formel 1 mit dem neuen Antriebsreglement: V6-Turbo-Hybride, deren elektrische Leistung von 120 auf 350 kW gestiegen ist, sodass Verbrennungsmotor und Elektroantrieb nun nahezu je zur Hälfte beitragen, betrieben mit zu 100 Prozent nachhaltigem Kraftstoff. Die Idee war ambitioniert, die Wirkung auf der Strecke umstritten. Fahrer und Fans beklagen das Batteriemanagement und den fehlenden Klang. Max Verstappen nannte die Autos unter anderem „Formula E on steroids“.
Dass der FIA-Präsident schon im ersten Jahr dieser Generation über ihren Nachfolger spricht, sagt viel über die Stimmung im Fahrerlager. Kommt der V8 tatsächlich 2030, hätte die aktuelle Motorengeneration nur vier Saisons erlebt, und die Ära der Turbo-Hybride, die 2014 begann, ginge nach 16 Jahren zu Ende.
Leichter, günstiger, lauter: was bisher feststeht
Sicher ist bislang vor allem die Zylinderzahl. „Wir wissen sicher, dass es ein V8 wird, 2030 ist die früheste Einführung“, sagte Mattia Binotto, der das F1-Projekt von Audi leitet. Hubraum, Hybridleistung und Kraftstoffvorgaben sind noch offen, einen Turbo hält Binotto für möglich. Diskutiert wird nach seinen Worten über V8-Motoren mit nachhaltigem Kraftstoff.
Ben Sulayem nannte drei Ziele. Die Autos sollen rund 80 Kilogramm leichter werden, eine Zahl, die bislang in keinem Reglement steht. Die Kosten für Forschung, Entwicklung und Motor sollen um mindestens 50 Prozent sinken. Und die Fans sollen zurückbekommen, was sie am meisten vermissen: „It’s about the sound, not the noise“, sagte der FIA-Präsident. Das klingt weniger nach Regelwerk als nach einem Versprechen an alle, die den Klang der alten Saugmotoren nie ganz vergessen haben.
Hersteller zwischen Investition und Neustart
Für die Hersteller ist der Zeitplan heikel. Mercedes, Ferrari, Honda, Red Bull mit Partner Ford und Audi haben viel Geld in die aktuelle Formel gesteckt, Audi ist eigens für dieses Reglement eingestiegen. General Motors kommt erst 2029 als Motorenlieferant dazu und hätte mit dem jetzigen Reglement damit nur eine einzige Saison. Laut Binotto muss das neue Regelwerk vor Ende des Jahres vereinbart und abgestimmt werden, sonst gilt 2031 als Ausweichtermin, den auch Ben Sulayem offenliess.
Wie sich der erneute Umbruch auf das Kräfteverhältnis auswirkt, lässt sich heute kaum seriös vorhersagen. Sicher scheint nur, dass die Formel 1 nach mehr als einem Jahrzehnt wachsender technischer Komplexität bewusst den umgekehrten Weg sucht. Ob die Rechnung aufgeht, entscheidet sich zuerst am Verhandlungstisch, dann auf der Strecke.



