Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent
Nach Bremsproblemen in Gateway, Iowa, Nashville und New Hampshire dürfen die Cup-Teams in Phoenix vordere Bremsscheiben und Beläge nach dem Qualifying straffrei tauschen.
NASCAR hat am Mittwoch, 14. Oktober 2026, die Impound-Regeln für das Cup-Series-Wochenende auf dem Phoenix Raceway gelockert. Nach Training und Qualifying am Samstag dürfen die Teams die vorderen Bremsscheiben und Bremsbeläge ausbauen und ersetzen. Die Änderung ging am Mittwoch als Mitteilung an die Teams, wie NASCAR.com und motorsport.com berichten. Auslöser ist eine Reihe von Bremsproblemen auf flachen Ovalen mit hoher Bremsbelastung in dieser Saison.
Was genau erlaubt ist, und was nicht
Die Regel ist eng gefasst. Laut der Mitteilung dürfen ausschliesslich die vorderen Scheiben und Beläge getauscht werden, alle anderen Teile der Bremsanlage bleiben unter Impound. Die hinteren Scheiben dürfen die Teams wie üblich bei den Pre-Race-Adjustments am Sonntag kontrollieren. Probleme, die dabei auffallen, behandelt NASCAR von Fall zu Fall.
Ganz neu ist nur ein Teil davon. Beschädigte Scheiben durften die Teams laut Brad Moran, Senior Managing Director der Cup Series, schon seit 2022 wechseln. Neu ist der freie Wechsel der Beläge nach einer Impound-Session, und den nannte Moran selbst ungewöhnlich. Eine Pflicht gibt es nicht: Jedes Team entscheidet selbst, ob es tauscht.
Dass die Regel so offen ausfällt, hat einen praktischen Grund. Mehrere Crew Chiefs hatten nach den Problemen in Iowa und Gateway gefordert, Beläge wenigstens gegen identische tauschen zu dürfen. Weil sich viele Beläge aber kaum unterscheiden und ein solcher Like-for-like-Tausch schwer zu kontrollieren wäre, gibt NASCAR den Teams bei den Frontbremsen nun freie Hand.
Woher der Handlungsdruck kommt
Die Entscheidung kommt nicht aus dem Nichts. In Nashville, Iowa und New Hampshire gab es in dieser Saison zahlreiche Bremsprobleme, den Höhepunkt markierte das Enjoy Illinois 300 auf dem World Wide Technology Raceway in Gateway am 13. September. Dort fielen bei mehreren Cup-Autos die Bremsen aus. Gateway ist wie Phoenix ein flaches Oval, auf dem hart gebremst wird.
In Phoenix kommt das Paket dazu. Seit Ende 2025 fahren alle Strecken unter 1,5 Meilen mit 750 statt 670 PS. Phoenix war im März das erste klassische Oval mit diesem Setup, damals gewann Ryan Blaney. Jetzt kehrt die Serie mit dem höheren Leistungsniveau und weniger Abtrieb zurück. Moran beschrieb Phoenix bei SiriusXM NASCAR Radio als Strecke mit hoher Bremsenergie, auf der sich weniger Abtrieb und mehr Leistung deutlich bemerkbar machen werden.
Kein Risiko in der Chase
Der Zeitpunkt ist heikel. Das Rennen am Sonntag ist das siebte von zehn in The Chase, dem Kampf um den Cup-Titel 2026. Titelverteidiger Kyle Larson führt mit 49 Punkten vor Denny Hamlin. Ein Bremsausfall, der einen Titelkandidaten aus dem Rennen nimmt, wäre in dieser Phase das Letzte, was die Serie brauchen kann.
Moran formulierte das Ziel der Massnahme in der Sendung „The Morning Drive“ so: „Es gibt kein Limit. Wenn ein Team die Beläge wechseln will, liegt das bei ihm.“ Man wolle den Teams die Gelegenheit geben, es richtig zu machen, und hoffentlich in Phoenix keine Bremsprobleme sehen.



