Henri Dubois · Endurance-Korrespondent
Vier Monate nach seinem zweiten Le-Mans-Sieg kündigt der Toyota-Werksfahrer seinen Rückzug aus dem Vollzeit-Rennsport an, zwei Rennen vor Saisonende und mitten im Titelkampf.
Mike Conway, 43 Jahre alt, beendet seine Laufbahn als Vollzeit-Rennfahrer am Ende der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) 2026. Der Brite gab seinen Entscheid am 6. Oktober bekannt, vor den letzten beiden Saisonrennen in Barcelona und Monza. Sein letzter Einsatz wird damit das 6-Stunden-Rennen von Monza am 8. November sein. Seit 2014 fährt Conway für Toyota, zwölf Saisons, in denen er zu einer der tragenden Figuren des Werksteams wurde.
Ein Abschied auf dem Höhepunkt

Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Im Juni gewann Conway gemeinsam mit Kamui Kobayashi und Nyck de Vries im Toyota mit der Nummer 7 die 24 Stunden von Le Mans. Es war nach 2021, als er mit Kobayashi und José María López den ersten Hypercar-Sieg an der Sarthe einfuhr, sein zweiter Gesamtsieg beim Langstreckenklassiker. Vier Monate später folgt nun die Ankündigung, dass dieser Juni-Sieg sein letzter Auftritt in Le Mans als Stammfahrer bleibt.
Entschieden ist seine letzte Saison damit noch lange nicht. Vor den beiden ausstehenden Rennen liegt das Fahrer-Trio der Nummer 7 in der Fahrerwertung auf Rang zwei, zehn Punkte hinter Sébastien Buemi, Brendon Hartley und Ryo Hirakawa im Schwesterauto. Ob Conway mit einem dritten WM-Titel abtritt, wird sich also erst über die Stints in Barcelona und Monza entscheiden.
Zwölf Jahre im Toyota-Werksprogramm

Conways Bilanz in der WEC umfasst 20 Gesamtsiege und zwei Fahrer-Weltmeistertitel, in der Saison 2019/20 und 2021. Er erlebte bei Toyota noch die LMP1-Ära und danach den Wechsel in die Hypercar-Klasse, ein Umfeld, das sich technisch und sportlich in dieser Zeit mehrfach grundlegend gewandelt hat. Dass ein Fahrer über all diese Umbrüche hinweg im selben Werksprogramm bleibt, ist in der Langstrecke keine Selbstverständlichkeit.
Toyota würdigte seinen Einsatz in einer eigenen Mitteilung. Kamui Kobayashi, Teamchef und seit Jahren Conways Partner im Auto mit der Nummer 7, sagte darin: „Es war mir eine Freude, so viele Jahre mit Mike das Auto mit der Nummer 7 zu fahren.“ Conway sei ein unglaublicher Teamkollege gewesen, nicht nur was Tempo und Konstanz angehe, sondern auch menschlich. Conway selbst nannte gegenüber Sportscar365 auch einen privaten Grund für seinen Schritt: Er wolle dabei sein, wenn seine dreieinhalbjährige Tochter aufwachse.
Bevor er zur Langstrecke kam, hatte Conway den klassischen Weg über den Formelsport genommen: britischer Formel-3-Meister 2006, Sieger des Grand Prix von Macau, danach GP2 und sechs Jahre IndyCar von 2009 bis 2014. Dort gewann er vier Rennen, zweimal in Long Beach (2011 und 2014), dazu in Detroit (2013) und Toronto (2014).
Die offene Frage der Nachfolge
Offiziell hat Toyota noch keinen Nachfolger benannt. Laut Sportscar365 soll Kévin Estre, der derzeit für Porsche Penske Motorsport in der IMSA fährt, Conways Platz ab 2027 übernehmen. Eine Bestätigung von Toyota steht bislang aus.
Bis dahin bleiben zwei Rennen, in denen das Trio der Nummer 7 noch um den Titel fährt. Nach dem letzten Fahrerwechsel in Monza übergibt Conway das Cockpit dann endgültig, als einer der erfolgreichsten Fahrer, die Toyota in der Langstrecke je eingesetzt hat.




