Henri Dubois · Endurance-Korrespondent
Kein anderer Fahrer in der Geschichte der Langstrecken-Weltmeisterschaft hat diese Marke je erreicht, und Buemi tut es ausgerechnet dort, wo die WEC zum ersten Mal zu Gast ist.
Sébastien Buemi wird beim 6-Stunden-Rennen von Barcelona vom 16. bis 18. Oktober 2026 zum ersten Fahrer in der Geschichte der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft, der einen 100. Renneinsatz bestreitet. Der Schweizer, seit dem ersten Werkseinsatz von Toyota in der WEC im Jahr 2012 ununterbrochen für die Japaner am Start, erreicht diesen Meilenstein im vorletzten Rennen einer Saison, in der sein Trio die Fahrer-Weltmeisterschaft anführt.
Von Le Mans 2012 bis zur Jubiläumszahl

Wer die Karriere von Sébastien Buemi über die Jahre verfolgt hat, erkennt in diesem 100. Start weniger einen plötzlichen Höhepunkt als das folgerichtige Ergebnis einer Konstanz, die in der WEC ihresgleichen sucht. Sein Debüt gab er 2012 bei den 24 Stunden von Le Mans, und seither hat er sämtliche seiner WEC-Einsätze für Toyota bestritten. Während andere Fahrer zwischen Herstellern wechselten, Programme ausliefen oder neue Projekte lockten, blieb Buemi bei Toyota, und diese Kontinuität über 14 Jahre hinweg ist in einer Disziplin, die von langen Entwicklungszyklen und Fahrzeugprojekten über mehrere Saisons lebt, keine Selbstverständlichkeit.
Dass ausgerechnet er als Erster die Hunderterschwelle überschreitet, passt zum Bild eines Fahrstils, der nie auf den einzelnen spektakulären Moment ausgelegt war, sondern auf die Fähigkeit, über einen Doppelstint hinweg konstant zu bleiben und ein Auto so zu übergeben, dass die nachfolgenden Fahrer im Trio darauf aufbauen können. Genau diese Eigenschaft dürfte es auch gewesen sein, die ihn über so viele Jahre zu einer festen Grösse im Toyota-Kader gemacht hat.
Eine Bilanz, die für sich spricht
Die Zahlen hinter diesem 100. Start lesen sich wie eine Chronik der WEC selbst: vier Weltmeistertitel, vier Gesamtsiege bei den 24 Stunden von Le Mans und 28 Rennsiege in der Serie, ein Rekordwert, den bislang kein anderer Fahrer erreicht hat. Jeder dieser Erfolge war freilich eine Trio-Leistung, getragen von wechselnden Partnern im Cockpit, einer Boxencrew, die über Jahre hinweg eingespielte Abläufe perfektionierte, und Strategen, die bei wechselndem Wetter und in der Nachtphase eines 24-Stunden-Rennens die richtigen Entscheidungen treffen mussten.
Insofern ist der 100. Start weniger ein Fahrer-Solo als ein Symbol für die Beständigkeit eines ganzen Programms, das sich seit 2012 kaum verändert hat: dieselbe Marke, dieselbe Philosophie, und mit Buemi ein Bindeglied, das die verschiedenen Fahrzeuggenerationen des Teams miteinander verbindet.
Barcelona als Bühne und als Meisterschaftsetappe
Dass dieser Meilenstein ausgerechnet in Barcelona fällt, hat auch einen kalendarischen Grund: Der Circuit de Barcelona-Catalunya ersetzt 2026 zusammen mit Monza die abgesagten Läufe in Katar und Bahrain, das Rennen findet damit zum ersten Mal überhaupt in dieser Form statt. Für Buemi bedeutet das, seinen historischen Start auf einer Strecke zu bestreiten, die selbst noch keine WEC-Geschichte hat, ein Zusammentreffen zweier Premieren.
Sportlich reist das Trio mit dem Toyota TR010 Hybrid Nummer 8, Buemi gemeinsam mit Brendon Hartley und Ryō Hirakawa, in guter Ausgangslage an: Nach dem Sieg beim Heimrennen in Fuji führt die Besatzung die Fahrer-Weltmeisterschaft mit zehn Punkten Vorsprung vor dem Schwesterauto Nummer 7 an. Barcelona ist das vorletzte Rennen der Saison, und ein solides Resultat würde die Ausgangslage vor dem Saisonfinale deutlich entspannen. Wie sich das Trio in diesem Zermürbungsrennen über sechs Stunden schlägt, dürfte damit nicht nur für Buemis persönliche Jubiläumszahl von Bedeutung sein, sondern auch für den Ausgang der gesamten Fahrerwertung.




