Klaus Weber · DTM-Korrespondent
Bastian Buus sicherte sich die Pole-Position für das entscheidende zweite Rennen am Hockenheimring mit einem Vorsprung von nur 0,006 Sekunden auf Ricardo Feller.
Bastian Buus (Land Motorsport) fuhr am Sonntag im zweiten Qualifying des DTM-Saisonfinales am Hockenheimring die schnellste Runde und sicherte sich die Pole-Position für das abschliessende Rennen der Saison. Mit 1:36,923 Minuten lag er nur 0,006 Sekunden vor Ricardo Feller im zweiten Manthey-EMA-Porsche. Für Buus, der eine Woche zuvor die Sprint-Cup-Wertung der GT World Challenge Europe gewonnen hatte, ist es die erste Pole-Position in der DTM. “Ehrlich gesagt habe ich auch nicht damit gerechnet”, sagte er laut motorsport-total.com. Gesamtführender Thomas Preining, der nach dem turbulenten ersten Rennen vom Samstag mit 20 Punkten Vorsprung auf Wittmann in das abschliessende Rennen ging, qualifizierte sich für Startplatz sieben, während Titelrivale Marco Wittmann nur Startplatz 16 belegte.
Zwei Zehntel trennen die Spitzengruppe
Die Differenz zwischen Buus und Feller von 0,006 Sekunden markiert das engste Pole-Duell des Wochenendes, deutlich enger als im ersten Qualifying vom Samstag, wo Luca Engstler mit 0,407 Sekunden Vorsprung auf Lucas Auer die Pole sicherte. Dahinter staffelte sich das Feld eng: Maro Engel wurde auf Platz drei nur 0,128 Sekunden langsamer gemessen, Jules Gounon auf Rang vier lag 0,139 Sekunden zurück, Matteo Cairoli auf Platz fünf 0,154 Sekunden. Fünf Fahrer blieben damit innerhalb von zwei Zehntelsekunden, eine Feldstärke, die in der Qualifying-Phase selten so dicht auftritt.
Die Rundenzeiten lassen sich mit dem Samstag kaum vergleichen: Das erste Qualifying begann auf nasser Strecke, die Pole-Zeit von 1:47,048 Minuten fiel erst auf abtrocknendem Asphalt. Am Sonntag lag die Bestzeit mit 1:36,923 Minuten wieder im Bereich des trockenen ersten Trainings vom Freitag, das Preining mit 1:36,974 Minuten angeführt hatte. Gegen Ende des zweiten Qualifyings setzte dann Regen ein und brachte die Strategien der Teams durcheinander.
Preining auf Platz sieben, Wittmann weit hinten
Preining fuhr 1:37,229 Minuten und reihte sich 0,306 Sekunden hinter der Pole auf Startplatz sieben ein. Nach einem kleinen Problem im Warm-up sprach er von einem Ergebnis, mit dem er arbeiten könne. Das dürfte für den Gesamtführenden weder eine komfortable noch eine schlechte Ausgangslage für das letzte Rennen der Saison sein. Entscheidender dürfte die Position von Marco Wittmann sein: Mit 1:37,749 Minuten und Startplatz 16 liegt der Zweitplatzierte der Meisterschaft 0,826 Sekunden hinter der Spitze und damit vorerst ausserhalb der Punkteränge, sollte sich das Feld im Rennen nicht grundlegend umsortieren. Wittmann selbst bezeichnete sein Team als “chancenlos”, schon das Rennen am Samstag habe gezeigt, dass das Tempo fehle.
Maro Engel dagegen, der als dritter Titelkandidat ins Finale ging, qualifizierte sich mit seinem Mercedes-AMG von Winward Racing für das zweite Rennen auf Platz drei in der zweiten Startreihe und damit deutlich vor seinen beiden direkten Konkurrenten um die Meisterschaft. Für Platz drei gab es zudem einen Zusatzpunkt, Engels Rückstand auf Preining schrumpfte damit auf 21 Punkte. “Wir greifen voll an”, kündigte Engel an, nun brauche es einen Sieg. Preinings 20-Punkte-Polster auf Wittmann bleibt die rechnerische Ausgangslage, doch der Porsche-Pilot selbst startet aus der vierten Startreihe auf Platz sieben, zwei Reihen hinter Engel. Sollte Engel aus Startplatz drei ein starkes Ergebnis einfahren und Wittmann im Verkehr stecken bleiben, könnte sich das Titelrennen noch einmal verschieben, bevor die Flagge fällt.
Engstlers Fehlen verändert das Teilnehmerfeld
Nur 20 statt 21 Fahrzeuge standen im zweiten Qualifying auf der Zeitenliste. Luca Engstler, der sich am Samstag seine erste DTM-Pole-Position eingefahren hatte, war nach seinem schweren Unfall im ersten Rennen nicht mehr am Start. Laut Abt-Teamchef Thomas Biermaier sind nach dem Kontakt mit Lucas Auer Chassis, Getriebe und Teile des Motors gebrochen, das Auto war nicht mehr einsetzbar. Abt Sportsline musste ihn deshalb für das abschliessende Rennen am Sonntag streichen, Engstler selbst blieb unverletzt. Für die Meisterschaft spielt das keine direkte Rolle, für das Teilnehmerfeld im zweiten Rennen aber schon, da mit dem Pole-Setter vom Samstag ein potenziell schneller Konkurrent fehlt.
Mit Buus und Feller an der Spitze, Preining auf Platz sieben und Wittmann weit dahinter ist die Ausgangslage für das letzte Rennen der Saison klar umrissen. Wie viele Punkte zwischen den Titelkandidaten am Ende tatsächlich liegen, entscheidet sich erst auf der Strecke, wenn Reifenabbau und Boxenstopp-Fenster im Rennen ihre eigene Dynamik entfalten.




